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"Fabelhafte" Frösche
Die beiden Frösche
Zwei Frösche, deren Tümpel die heiße Sommersonne ausgetrocknet hatte, gingen auf die Wanderschaft. Gegen Abend kamen sie in die Kammer eines Bauernhofs und fanden dort eine große Schüssel Milch vor, die zum Abrahmen aufgestellt worden war. Sie hüpften sogleich hinein und ließen es sich schmecken. |
Als sie ihren Durst gestillt hatten und wieder ins Freie wollten, konnten sie es nicht: Die glatte Wand der Schüssel war nicht zu bezwingen, und sie rutschten immer wieder in die Milch zurück.Viele Stunden mühten sie sich nun vergeblich ab, und ihre Schenkel wurden allmählich immer matter.
Da quakte der eine Frosch: "Alles Strampeln ist umsonst, das Schicksal ist gegen uns, ich geb's auf!" |
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Er machte keine Bewegung mehr, glitt auf den Boden des Gefäßes und ertrank. Sein Gefährte aber kämpfte verzweifelt weiter bis tief in die Nacht hinein. Da fühlte er den ersten festen Butterbrocken unter seinen Füßen, er stieß sich mit letzter Kraft ab und war im Freien.
(nach Aesop, einem griechischen Fabeldichter, um 550 v. Chr.)
Die Maus und der Frosch
Eine Maus schloss zu ihrem Verhängnis Freundschaft mit einem Frosch. Sie lud ihn zum Essen ein. Der Frosch band den Fuß der Maus an seinen eigenen, und so gingen sie zuerst zu einem Ort, wo es viel zu essen gab. Der Frosch stillte hier seinen Hunger. Anschließend beschloss er, die Maus, die er um ihr gutes Leben beneidete, zu. Als sie bald darauf an den Rand eines Sees kamen, zog er sie in das tiefe Wasser. Die unglückliche Maus ertrank und schwamm an der Wasseroberfläche, an den Fuß des Frosches angebunden, umher. Plötzlich erblickte ein Taubenfalke aus der Luft die Maus und fasste sie mit seinen Krallen. Da sich der Frosch nicht losmachen konnte, entführte er ihn gleichfalls in die Luft, wo er zuerst die Maus und dann jenen selbst verspeiste. Und die Moral von der Geschichte:
Auch ein Toter ist imstande, das an ihm begangene Unrecht zu rächen, denn Gott, der alles sieht, teilt jedem sein gerechtes Schicksal zu.
(nach Aesop)
Der Frosch, die Ratte und die Weihe
Ein Frosch stritt mit einer Ratte um einen Sumpf. Der Frosch behauptete, dass er ihn mit dem größten Recht besitze; die Ratte hingegen, dass er ihr gehöre und dass der Frosch ihr denselben abtreten müsse. Dieser wollte aber nichts davon hören, und so gerieten sie bei diesem Streite hart aneinander. Wie viel besser hätten sie getan, wenn sie sich verglichen hätten; denn in der Hitze des Streites hatten sie nicht auf die Weihe geachtet, welche in der Ferne gelauert hatte, nun über die Kämpfer herfiel und beide zerriss. Und die Moral von der Geschichte:
Wenn sich zwei Schwache sich streiten, so beendet oft ein Dritter, der stärker ist den Streit zu seinem Vorteil.
(nach Aesop)
Der Frosch, der dem Stier gleichen wollte
Ein Frosch sah einstmals einen Stier,
Des Wuchs ihm ungemein gefallen.
Kaum größer als ein Ei, war doch voll Neid das Tier;
Er reckt und bläht sich auf mit seinen Kräften allen,
Dem feisten Rind an Größe gleich zu sein.
Drauf spricht er: „Schau, mein Brüderlein,
Ist’s nun genug? Bin ich so groß wie du?" - „O nein!" -
„Jetzt aber?" - „Nein!" - „Doch nun?" - „Wie du dich auch abmattst,
Du wirst mir nimmer gleich!" - Das arme kleine Vieh
Bläht sich und bläht sich, bis es - platzt.
Wie viele gibt’s, die nur nach eitler Größe dürsten!
Der Bürgersmann tät’s gern dem hohen Adel gleich,
Das kleine Fürstentum spielt Königreich,
Und jedes Gräflein spielt den Fürsten.
(Jean de La Fontaine 1621 – 1695)
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