Wir, das sind Lukas, Max, Hannes, Matze, Lea und ich. Unser Wohnviertel ist der beste Spielplatz, den man sich vorstellen kann. Gleich neben den Wohnblöcken liegt eine große Wiese mit Bäumen. Dort finden die aufregendsten und spannendsten Expeditionen statt.
Mal befinden wir uns auf einer Insel in der Arktis, mal sind wir Goldgräber in Alaska und manchmal erforschen wir den tropischen Regenwald. An den Tag, an dem wir ein gewaltiges Donnerwetter erlebt haben, erinnere ich mich genau:
Es war ein herrlicher Sommertag. Wir befanden uns auf einer Expedition im tiefsten Urwald Südamerikas. Klar, dass wir alles an lebenswichtigen Dingen dabei hatten: Wasser, Kekse und eine Tüte „Gegen-und-für-Alles“. Natürlich haben wir auch immer unsere E-S-S-T-Ausrüstung mit: Eimer, Schippen, Schmetterlingsnetz, Schnur und ein Taschenmesser.
Als Erstes brauchten wir ein Expeditionslager. Dazu musste Hannes seinem Vater wieder einmal die blaue Campingplane aus dem Keller stibitzen. In einer kleinen Senke, mitten im Dschungel, bauten wir uns einen Unterstand. Im Regenwald ist es immer sehr feucht und warm. Von unserem Lager aus, konnte die Suche nach verlorenen indianischen Schätzen und exotischen Tieren beginnen. „Oh, oh, auaahhh!“, schrie Matze auf einmal, „Ich habe einen Pfeilgiftfrosch angefasst! Schnell, bringt mir die Tüte mit dem Gegengift.“ „Matze!“, sagte Lea streng, „Du kannst nicht schon wieder Hunger haben. Jetzt machen wir die Tüte Gummibärchen nicht auf!“ „Dann willst du mich leiden lassen?“, schmollte Matze, „Das ist nicht nett von dir.“ „Auf einer Expedition muss man sich den Proviant einteilen. Bis nach Nachschub kommt, können Wochen vergehen“, erklärte ich und schob Matze hinter meinem Rücken ein Bonbon zu. Das hatte, dem Papier nach, wohl schon einen Waschmaschinengang überstanden. Matze grinste zufrieden.
So vergingen Stunden der Forschung, nur in der Mittagszeit unterbrochen vom „Essen kommen!“-Ruf unserer Eltern. Am Nachmittag zogen wir uns in unser Lager zurück. Expeditionen sind anstrengend und machen müde. Als wäre die Sonne ebenfalls erschöpft, verschwand sie hinter einer dicken Wolke.
„Was ist denn nun?“, fragte Lukas. „Das hat die Wetterfrau gestern angesagt ,im Nordosten am Nachmittag vereinzelt Gewitter’ “, sagte Hannes.
„Ach, heißt die Wetterfrau zufällig Frau Holle?“, gluckste Matze. „Nee, weiß nicht, wie sie heißt. Sie erhält die Wettervorhersage von einer Wetterstation. Dort kann das Wetter, mit Hilfe von Computern und Daten von Wettersatelliten, bis zu zehn Tage im Voraus bestimmt werden. Wettersatelliten kreisen ungefähr 1000 km über der Erdoberfläche und machen Fotos von den Wolken.“, erklärte Hannes. „Wolken sehe ich auch, wenn ich von hier unten in den Himmel gucke“, meinte Max. „Dann sag’ du doch, wie das Wetter jetzt wird. So hat die Wetterkunde angefangen. Die Menschen beobachteten den Himmel, den Wind, die Tiere und die Pflanzen.
Vor 5.000 Jahren haben die Babylonier und die Ägypter Wettersprüche aufgeschrieben, so ähnlich wie Bauernregeln“, erzählte Lea.
„Häh, Bauernregel, Wolke, Ägypten? Ich verstehe nur Bahnhof“, sagte Matze.
„Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter - oder es bleibt, wie es ist“ zitierte Lea. „Lustig, jetzt kommt auch noch ein Hahn dazu. So braut sich das Wetter zusammen?“, fragte Lukas.
„Das Wetter braucht drei Dinge: Sonne, Luft und Wasser. Die Sonne erwärmt die Luft. Warme Luft steigt nach oben. Kühle Luft strömt von der Seite nach. Die Luft gerät in Bewegung. Es entsteht Wind. Die Sonne erwärmt aber auch das Wasser in den Meeren, Flüssen, Seen, Bächen und Pfützen. Dadurch verdunstet das Wasser. Es schwebt als kleine Wasserteilchen in der Luft. Diese Teilchen verbinden sich mit Staubkörnchen und werden zu Tröpfchen. Viele Tröpfchen bilden eine Wolke.
Je mehr Tröpfchen die Wolke aufnimmt, umso dicker und dunkler wird sie. Aus den Tröpfchen werden große Tropfen. Die sind so schwer, dass sie als Regen, Hagel oder Schnee wieder runterfallen. Der Wind treibt Wolken zusammen oder auseinander“, erklärte ich, „Wolken gibt es in unterschiedlichen Höhen und Formen. Jede Form bringt ein bestimmtes Wetter. Die Wolke, die du jetzt gerade da oben siehst, ist eine Gewitterwolke und heißt Cumulus nimbus.“
„Die ist ja riesig geworden. Sie sieht aus, wie ein Turm“, staunte Matze.
Ich nickte. „Cumulus heißt „Türmchen“ und wenn ich mich nicht irre, gibt es hier bald ein gewaltiges Donnerwetter“
„Cool, ein Gewitter im Regenwald. Dann machen wir es uns hier so richtig gemütlich.
Lea, rück’ die Gummibärchen raus! Leute, das wird ein Spaß“, freute sich Matze.
Nun, so ganz wurde nichts aus dem Spaß. Das Donnerwetter, das wir zu hören bekamen, als wir nicht nach Hause wollten, war gewaltiger, als das im Regenwald.
Warum man bei Gewitter nicht draußen bleiben sollte, ist eine andere Geschichte, aber vielleicht wisst ihr es auch schon.
Fragen zum Text |