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Noch heute können wir viele Burgen, Schlösser oder deren Ruinen besichtigen. Im Mittelalter stand in Europa an fast jeder Ecke eine Burg. In Frankreich standen an die 300 Burgen entlang des Flusses Loire. In England hatte man bis zum Jahr 1100 über 500 Burgen in die Landschaft gebaut. Ob Burg, Festung, Schloss, Kastell oder Palast, egal wie diese großen, prächtigen und mächtigen Bauwerke genannt werden, sie sind die eindrucksvollsten Zeugnisse dieser Epoche. |
| Wenn du zufällig in die Nähe einer Burg kommst, dann lohnt sich ein Besuch mit einer Zeitreise durchs Mittelalter fast immer. Vom einfachen Holzturm im frühen Mittelalter bis zu einer der größten Burganlagen Europas in der Bretagne, der Burg von Fougère: alle Burgen waren Wohn- und Schutzstätte, Bollwerk und Zeichen der Macht. Ihre Standorte waren Anhöhen, Gebirgspässe, Inseln oder andere schwer angreifbare Orte. Viele Handwerker und Bauern waren mit dem Bau über Jahre hinweg beschäftigt. |
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Die Baumaterialien mussten manchmal von weit hergeholt werden, diese Aufgabe hatten die Bauern, die das neben ihren Diensten in der Landwirtschaft machen mussten. Die Architekten es Mittelalters waren die Baumeister. Sie planten und beaufsichtigten den Bau einer Burg. Um die Burgen herum ließen sich Bauern und Handwerker nieder, aus kleinen Siedlungen wurden Dörfer und später Städte, meist umschlossen von einer kilometerlangen Stadtmauer.
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Die Motte oder Turmhügelburg
Das erste Burgmodell aus Holz war ein turmartiges Herrenhaus mit einem Zwinger, das von einem Palisadenwall umgeben war. Mit der Zeit entwickelte sich daraus eine Burganlage mit mehreren Palisadenwällen und Gräben. Wenn kein natürlicher Hügel in der Landschaft vorhanden war, wurde die Erde bis zu 20m hoch aufgeschüttet, um darauf die Burg zu bauen. |
Turmburgen
Turmburgen finden sich gegen Ende des 10. Jahrhunderts vor allem im Westen Frankreichs und Englands. Sie sind die ersten Burgen aus Stein und rechteckig angelegt. Vier eckige Wehrtürme umschließen den Bergfried. Der Bergfried ragt mit seinen 30 m weit sichtbar über alle anderen Burgteile hinaus. Er ist das Herzstück der Burganlage und Wohnstätte für den Burgherrn. Die Mauern sind extra verstärkt und dienten als letzte wehrhafte Zuflucht für die Burgbewohner im Falle eines Angriffs.
Wehrburgen
Wehrburgen erkennst du an ihren runden Wehrtürmen. Als gegen Ende des 12. Jahrhunderts die ersten Wehrburgen gebaut werden, sind sie eine Neuheit. Sie werden mit weniger Baumaterial gebaut und können dem Beschuss durch Belagerungsmaschinen besser standhalten. Der Bergfried dient nun auch nicht mehr als Wohnstätte.
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Ringburgen
Mitte des 13. Jahrhunderts wurde in England der Bergfried bei neuen Burgen ganz weggelassen. Stattdessen werden Mauerringe in verschiedenen Höhen und mit Wehrtürmen um ein Herrenhaus gebaut. Feinde mussten so zunächst eine niedrige Ringmauer überwinden, um gleich vor der nächsten, der inneren Schildmauer zu stehen. Gleichzeitig konnten die Bogenschützen der Burg auf zwei Ebenen und damit verstärkt auf die Angreifer schießen. |
Schlösser
Zu derselben Zeit fanden der französische König und sein Hochadel, dass Burgen nicht nur Festungen sein sollten, sondern auch Orte voller Prunk und Luxus. Das zeigt sich dann auch in der Bauweise. Die französischen Schlösser haben viele runde Türme und Türmchen mit kegelförmigen Dächern, verzierten Dachluken und vielen Fenstern, damit die großzügigen Säle und Gemächer im Burginnern lichtdurchflutet sind. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Schlösser in ihrer Ausstattung immer prunkvoller und luxuriöser.
Deutsche Burgen
Während in Frankreich und England der König und der Hochadel Burgen bauten, stand in Deutschland in jedem Fürstentum eine Burg. Das war eine Folge des Lehnwesens, denn Deutschland war dadurch in viele Fürstentümer zersplittert. Der Bergfried zierte fast jede deutsche Burg, ebenso wie die, für das 13. Jahrhundert typisch, sechseckigen Ringmauern. Eine Mischung aus Burg und Kloster entwickelte der Deutschritterorden mit den sogenannten Ordensburgen, die einen rechtwinkligen Grundriss hatten und aus Backsteinen gebaut wurden.
Text: Nicole Potthoff |