bevor ich das Licht der Welt erblickte. Meine Mutter Herzeleide ging am Kummer über den Verlust des geliebten Mannes fast zugrunde. Ohne meinen Vater war sie schutzlos und verlor unser Königreich an einen König aus dem Nachbarland. Daher zog sie mit mir in den Wald Soltane. Dort wuchs ich auf, wie ein Wildfang. Ritterliche Tugenden und Benehmen waren mir fremd. Meine Mutter achtete genau darauf, dass ich mit dem Rittertum nichts zu tun bekam. Sie hatte Angst, sie könnte mich auch im Kampf verlieren.
Trotzdem lernte ich als Junge den Umgang mit dem Wurfspieß und durchstreifte Tag für Tag den Wald. Eines Tages begegnete ich auf einem meiner Streifzüge vier prachtvollen Männern auf ihren Pferden. Einer war in seiner Rüstung herrlicher anzusehen, als der andere. Beim vierten Reiter, dachte ich, mir würde Gott erscheinen. Seine blanke Rüstung strahlte und blitzte so sehr in der Sonne, dass ihn ein wundersames Licht umgab. Wie sich bald herausstellte, waren sie Ritter am Hofe König Artus. Ritter – dieses Wort wurde für mich Versuchung und Verheißung. Von diesem Moment an, wollte ich Ritter werden!
Meine Mutter traf fast der Schlag, als ich ihr von der Begegnung im Wald und meinem Wunsch erzählte. Nur mühsam konnte sie sich vor Sorge und Angst um mich zurückhalten, aber sie ermöglichte es mir, den Wald zu verlassen. Dafür danke ich ihr noch heute, aber wenn ich damals gewusst hätte, dass sie gleich nach meinem Aufbruch am Abschiedsschmerz sterben würde, hätte ich es mir vielleicht anders überlegt. Am Tag meiner Abreise steckte sie mich in Narrenkleider. Ich hielt das für eine normale Alltagsbekleidung. Was wusste ich schon von der Welt außerhalb des Waldes. Sie aber dachte sich, wenn mich alle auslachen, denen ich begegne, komme ich schnell wieder zurück. Vielleicht glaubte sie das auch bei den Ratschlägen, die sie mir mit auf den Weg gab. Ich habe mich darauf verlassen, dass alles so in Ordnung sei, schließlich war sie meine Mutter.
Allerdings bekam ich sehr bald die Folgen ihrer Ratschläge zu spüren und geriet von einem Schlamassel in den nächsten. Nicht, dass es immer unangenehm war, aber einiges wäre mir und meiner Umwelt erspart geblieben, hätte ich von Anfang gewusst, was richtig ist.
Als ich endlich auf König Artus’ Schloss ankam, war ich schon in so einige Abenteuer verstrickt gewesen. Ich war ein Einfaltspinsel - und wusste es nicht. Ritter Ither von Gahawieß erkannte meine Torheit dafür umso schneller und nutzte sie für seine Zwecke.
Er bat mich, König Artus eine Botschaft zu überbringen, die ihn und seine Ritter zum Kampf herausfordern würde. Unwissend wie ich war, begriff ich die Bedeutung dieser Botschaft aber nicht.
Ich kam zum Schloss und wurde zu den Rittern der Tafelrunde geführt. Sie lachten über meinen eigenartigen Aufzug, waren aber dennoch freundlich zu mir. Als ich ihnen jedoch die Nachricht Ithers überbrachte, blieb ihnen das Lachen im Halse stecken. Natürlich bemerkte ich ihre Wut und in meinem wilden Tatendrang machte ich den Vorschlag, dass ich gegen den roten Ritter Ither kämpfen wolle. König Artus war skeptisch, aber er stimmte zu.
Auf was hatte ich, Bauerntölpel, mich da eingelassen? Ohne Rüstung, nur mit einem Wurfspieß bewaffnet gegen einen Ritter in voller Rüstung. Ich hatte Glück und es gelang mir den roten Ritter zu töten. Die Rüstung und sein Pferd waren nun mein Eigentum. Ich sah mich am Ziel meiner Wünsche: Ich war ein Ritter!
Die Rüstung war eine Mogelpackung, dass lernte ich schnell, nachdem in an den Hof des weisen Ritters Gurnemanz kam. Er brachte mir das Wesen der Ritterschaft nahe. Er erzog mich und schulte meine Fähigkeiten. So viel habe ich ihm zu verdanken und so viel habe ich von ihm gelernt. Als ich den alten Gurnemanz verließ, stand für mich fest: Ich bin ein Ritter!
Ich hatte in meinem Hochmut dabei nur übersehen, dass Rüstung und Erziehung eine Sache, Verantwortung zu übernehmen aber eine andere Sache ist. Diese Überheblichkeit wurde zu einer Falle, die mir Jahre des Zweifelns und Haderns mit Gott bringen sollten.
Mein Weg führte mich zur Gralsburg, wo der Heilige Gral vom König Armfortas gehütet wurde. Der Heilige Gral, war der Kelch aus dem Jesus das letzte Abendmahl genommen hatte. Obwohl der Gral ewige Lebenskraft spenden sollte, siechte König Armfortas, offenbar von unsäglichen Schmerzen gepeinigt, dahin. Doch anstatt ihn danach zu fragen, was ihn so krank machen würde und mein Mitgefühl zu zeigen, hielt ich mich an das, was der alte Gurnemanz zu mir gesagt hatte: „Frag nicht zuviel!“. Ich fragte weder zu viel, noch zu wenig. Ich fragte gar nicht! Am nächsten Morgen war die Burg wie ausgestorben und auch der Heilige Gral war weg. Ritter Armfortas hatte mir nur sein Schwert und seine Rüstung hinterlassen. Ohne mir weiter etwas dabei zu denken, nahm ich die Sachen an mich.
Mein nächstes Ziel war wieder der Hof König Artus’. Schließlich, so fand ich, war dort als Ritter mein Platz. Lange konnte ich mich jedoch nicht in meinem Ruhm sonnen, denn die Quittung für mein Verhalten auf der Gralsburg brachte mir die hässliche Gralsbotin Kundrie. Vor allen Rittern der Tafelrunde verfluchte sie mich, weil ich den armen Armfortas nicht von seinem Leiden erlöst hatte. Ich hätte ihm nur eine einzige Frage stellen müssen, aber ich hatte geschwiegen. Das hätte ein wahrer Ritter nie getan. Verzweifelt und wütend verließ ich die Tafelrunde.
Aber ich war nicht, wie man meinen könnte, auf mich wütend. Nein, ich klagte Gott an.
Schließlich hätte er mich doch vor all dem bewahren können. Ein Zeichen hätte genügt.
Hatte ich ihn nicht immer voller Inbrunst angebetet? War ich seinen Regeln nicht immer treu gefolgt? War das der Dank? Ein Moment des Versagens und meine ganze Welt brach zusammen! Es konnte nur einen Grund dafür geben, dass mir dieses Unglück geschah:
Gott hatte mich verlassen!
Mit diesen bitteren und düsteren Gedanken zog ich wieder in die Welt hinaus.
Und wieder brachte mich mein Weg zu einem Menschen, der mein Leben verändern sollte: der fromme Trevrizent. Die langen Gespräche mit diesem gläubigen und weisen Mann, brachte die Wendung in meinem Leben. Er tröstete mich und endlich, konnte ich auch wieder an Gott glauben. Mit meinem festen Glauben an ihn, würde ich es endlich schaffen, nicht nur wie ein Ritter auszusehen und zu kämpfen, sondern auch mit dem Herz und Verstand ein Ritter zu sein!
Als ich Trevrizent verließ, fühlte ich mich gereift und stark. Neue Abenteuer warteten auf mich und nach einer Weile kehrte ich zum dritten Male an die Tafelrunde zurück.
Und nicht nur ich, auch die Gralsbotin Kundrie traf wenig später ein.
Schon dachte ich, oh nein, jetzt fängt alles wieder von vorne an, aber stattdessen überbrachte sie mir eine frohe Botschaft: ich hatte meine Prüfungen bestanden und wurde zum Gralshüter ernannt.
Nun hatte ich nicht nur mich, sondern auch den Heiligen Gral gefunden!
„Ben? B E N ! Aufwachen! Du schläfst am helligten Tag! Heute Abend kannst du wieder nicht einschlafen! Ben!“, meine Mutter rüttelte an meiner Schulter, „und schau’ dir mal das Buch an! Lauter Eselsohren hat es, weil du darauf gelegen hast!“
Langsam kam ich zu mir, wie spät war es? Fast 19:00 Uhr! Ich hatte volle drei Stunden geschlafen.... und geträumt....oder nicht?
Eines stand fest, ich kannte nun die Geschichte vom Ritter Parzival, zumindest in groben Zügen und spannend war sie auch.
Warum die Statue unten am See auch Parzival heißt, kann ich nicht sagen. Vielleicht fällt dir etwas dazu ein.
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