Jeder Teil dieser Geschichte ist so spannend und so voller Geschichten über die Menschen dieser Zeit, dass wir uns hier nur einem Ausschnitt widmen. Die Zeit der Ritter und Burgen zwischen dem Jahr 1000 und dem Jahr 1500.
Krone, Kirche, Acker – die drei Stände im Mittelalter
Überall dort, wo Menschen zusammenleben, gibt es eine Ordnung und Regeln, nach denen sie leben. Im Mittelalter gab es eine andere Ordnung der Gesellschaft als heute.
Die Menschen wurden in drei gesellschaftliche Stände eingeteilt:
Die Adeligen und Ritter bildeten den ersten Stand. Sie herrschten, verteilten das Land und schützten seine Menschen mit ihren Waffen. Der König war der Oberboss. Der zweite Stand wurde von den Geistlichen gebildet. An ihrer Spitze stand der Papst. Mehr als 80 % der Bevölkerung des Mittelalters gehörten dem dritten Stand an. Das waren die Bauern und Handwerker und überwiegend Leibeigene des ersten Standes.
Wasser für den Bauern, Wein für den Edelmann und Gebete von den Geistlichen
Der Großteil der Menschen im Mittelalter waren arme Leute. Bauern, die als Leibeigene auf den Feldern ihres adeligen Herrn knechteten. Sie lebten auf dem Land in Hütten, in denen ganze Familien, die Tiere und das Saatgut in einem Raum untergebracht wurden. Der kleine Speiseplan der Familien wurde, durch häufige Missernten oder Kriege und den damit verbundenen Hungersnöten, noch eintöniger. Ihre Hauptmahlzeit bestand aus Brot und Getreidebrei, es gab kaum Fleisch, wenig Gemüse, Pilze oder Beerenobst. Rechte hatten diese Menschen so gut wie keine. Sie waren der Besitz eines Adeligen.
Das Recht wurde vom Grafen oder Ritter gesprochen, der allerdings auch für ihren Schutz verantwortlich war. Im 12. Jahrhundert wuchsen die Dörfer in der Nähe der Burgen zu Städten heran. |
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Dort siedelten sich auch Kaufleute an, die auf den Märkten ihre Waren verkauften. Handwerker ließen sich dort nieder und es entstanden die ersten Handwerkszünfte.
Den Adeligen ging es im Vergleich zu den Bauern bestens, wenn sie sich nicht gerade im Krieg befanden. Sie herrschten über das Land und die Menschen mit harter und strenger Hand, vermehrten ihren Reichtum und nahmen als Ritter an Turnieren und Kreuzzügen teil. Die Rechte und Pflichten ihrem König gegenüber waren im Lehnswesen und dem dazugehörigen Treueschwur genau festgelegt. Sie lebten auf Burgen und hielten sich einen Hofstaat von der Küchenmagd bis zum Minnesänger. An manchen fürstlichen Höfen lebten und arbeiteten bis zu 100 Menschen. Festbankette und Tafelfreuden gehörten nicht zur Tagesordnung, sondern wurden nur zu besonderen Anlässen auf der Burg ausgerichtet. Schließlich hatte ein Burgherr eine Menge „Mäuler zu stopfen“ und die Bereitstellungen von Pferden, Rüstungen und Waffen für den Kriegsdienst verschlangen ebenfalls Unsummen.
| Wenn ein großes Fest gefeiert wurde, wurden viele Gäste von Adel und Kirche eingeladen. An langen Tafeln saßen in einer festgelegten Reihenfolge die Gäste und wurden auf das Köstlichste mit Speisen aus Wildfleisch, Pfau oder Schwan bewirtet. Bier und Wein wurden in großen Mengen gereicht, dazu gab es Butter, Käse, Gemüse und Pilze. Wer seinen Reichtum zeigen wollte, ließ das Essen mit allerlei exotischen Gewürzen zubereiten, die von Händlern aus dem Orient mitgebracht worden waren und sehr teuer waren. |
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Zum guten Ton bei Hofe und am Tisch gehörte, sich vor der Mahlzeit die Hände zu waschen, nur seinen eigenen Löffel zu benutzen, am Tisch nicht zu pupsen und zu rülpsen - und schon gar nicht ins Tischtuch zu schnäuzen. Jetzt weißt du auch, wem du die elterlichen Ermahnungen am heimischen Esstisch zu verdanken hast.
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Der Glaube an Gott und die Kirche war für alle Menschen, egal welcher Herkunft, sehr, sehr wichtig. Sie glaubten fest daran, dass Gott die Ständegesellschaft nach seinem Willen geschaffen hatte und die Geistlichen wussten, was Gott für richtig hielt und was nicht. Schließlich waren die Geistlichen zunächst auch die einzigen, die in der Bibel lesen und deren Inhalt damit deuten konnten. |
Die Zeit des Mittelalters war geprägt von den Ängsten der Menschen vor dem Tod, dem Krieg, der Pest, den Hungersnöten und den Qualen in der Hölle im Jenseits.Sie dachten, sie könnten sich durch das Gebet und die Buße davor retten.
Deshalb läutet auch dreimal am Tag die Glocke zum Gebet. Die Geistlichen und Mönche in den Kirchen und Klöstern waren, damals wie heute, für das Seelenheil der Menschen verantwortlich. Allerdings machte sich die Kirche im Mittelalter die Angst der Menschen auch zunutze und wies immer wieder auf den Tag des jüngsten Gerichts hin, vor das jeder Mensch nach seinem Tode treten sollte. An diesem Tag würde Gott darüber entscheiden, ob ein Mensch nach seinem Tod, im Jenseits ins Paradies gelangte oder im Fegefeuer verbrennen musste. Eine ganz fürchterliche Vorstellung, die du vielleicht nachvollziehen kannst. In den Kirchen und Klöstern wurden aber auch die Armen gespeist, die Kranken gepflegt und Schulen eingerichtet. Reisenden wurde eine Unterkunft gegeben. Neben dem handschriftlichen Kopieren von Büchern in den Skriptorien, den Schreibsälen der Klöster, wurde die hohe Kunst der Buchmalerei betrieben.
Noch heute existieren in Klöstern wunderbare Bibliotheken, in denen das Wissen der antiken Philosophen auf alten Pergamentblättern und in dicken Holzeinbänden verewigt ist.
Land gegen Treue-
kein Tausch, sondern ein Lehen
Im Mittelalter gingen die Menschen davon aus, dass Gott einem Kaiser, König, Fürsten oder Herzog die Alleinherrschaft über ein Land gegeben habe. Ein Herrscher von Gottes Gnaden. Wie sollte aber ein Mann über ein ganzes Land herrschen und für Recht und Ordnung sorgen? Die Lösung wurde im 8. Jahrhundert im damaligen Frankenreich entwickelt und war recht einfach: Der Herrscher eines Landes lieh seinen zuverlässigsten Adelsmännern und Geistlichen sein Geld, seine Grundstücke, seine Ländereien, Dörfer und Burgen. Die Geistlichen und die Adelsmännern mit ihren Familien sollten diese dann regieren und bewirtschaften. Die erwirtschafteten Gewinne durften sie behalten. Sie wurden damit zu Vasallen des Königs. Hört sich gut an, aber was hatte der König davon? Keine Leistung ohne Gegenleistung, dachte auch dieser und verpflichtete seine Vasallen zur unbedingten Treue, als Ratgeber und zum Kriegsdienst. So entstand das Lehnswesen, dass auch Feudalwesen oder Feudalherrschaft genannt wird: Ein gegenseitiges Treuebündnis zwischen einem Lehnsherrn und einem Lehnsempfänger, besiegelt durch den Treueeid. „Schutz und Schirm“ für „Rat und Hilfe“. Das Lehen wurde innerhalb einer Familie weitervererbt, ebenso wie der König seine Herrschaft weitervererbte. Es sei denn, ein Lehnsmann taugte nix, dann war er das Lehen schnell wieder los.
Da ein Vasall ebenfalls wieder ein Lehen vergeben konnte, sahen die Beziehungen untereinander so aus:
Kaiser oder König
verleiht seinen Grundbesitz und vergibt Ämter
gegen Amts- und Kriegsdienste an seine
Herzöge, Grafen, Bischöfe und Reichsäbte
Diese Lehnsherren oder Kronvasallen verleihen ebenfalls wieder Land und Ämter
gegen Rat und Hilfe in Friedens-, wie in Kriegszeiten an ihre
Ritter, Äbte und Dienstmänner
Diese Untervasallen wiederum vergeben Land zur Bewirtschaftung und bieten Schutz gegen Naturalien (Getreide, Vieh, Eier u.a.) und Arbeitsdienste an ihre
leibeigenen Bauern |