Seeräuber tragen Augenklappen, Ringelshirts, Dreiviertelhosen und einen Säbel. Sie sind mutig, singen lustige Lieder und sitzen dabei auf einem Fass mit Rum. Piraten verbuddeln ihre Schätze auf einsamen Inseln. Vergessen dann, wo oder malen Schatzkarten, damit sich später ein anderer freut.
Ist das tatsächlich so?
Der berühmteste deutsche Pirat war Klaus Störtebecker und seine Mannschaft, die „Likedeelers“. Er war im Mittelalter der „Robin Hood“ der Nord- und Ost. Über ihn und viele andere Seeräuber aus aller Welt, gibt es unzählige wahre und erfundene Geschichten. Die meisten beginnen in der Blütezeit der Seeräuberei zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert.
In diese Zeit wollen wir eintauchen und erfahren, wie die Piraten lebten:
Nimm’ mich mit, Kapitän, auf die Reise...
oder wer wurde Pirat?
Jugendliche Ausreißer, verschuldete Adlige, ehemalige Soldaten und Abenteurer, Verbrecher und Gauner: die Mannschaft eines Piratenkapitäns war im wahrsten Sinne des Wortes „wild“ durcheinander gewürfelt.
Wer seefest war, Wetter und Sturm trotzte, geschickt den Großmast erklomm und mit dem Säbel rasseln konnte, wurde nicht gefragt, woher er kam oder was er angestellt hatte.
An Bord eines schnellen und wendigen Piratenschiffs begann für ihn ein neues Leben.
Eine Seefahrt, die ist lustig...
oder warum das Piratenleben alles andere als schön sein konnte
Grenzenlose Freiheit, unermesslicher Reichtum und jeden Tag ein neues Abenteuer, so stellen wir uns das Leben der Seeräuber vor. Tatsächlich war das Leben an Bord hart, ungemütlich und voller Entbehrungen. Die Seeräuber waren teilweise monatelang auf den Schifffahrtslinien unterwegs, um Handelsschiffe aufzubringen. Manchmal dümpelten sie wochenlang bei einer Flaute auf dem Meer dahin, ohne Land in Sicht und tagtäglich auf engstem Raum.
Wenn die Vorräte zur Neige gingen, gab es überwiegend Zwieback oder Dörrfleisch, allmählich stinkendes Trinkwasser vermischt mit ein wenig Wein oder Bier.
Wer in der Karibik segelte, ernährte sich von Schildkröten, die sogar mit an Bord genommen wurden. Im 17. und 18. Jahrhundert nahmen die Seeleute lebende Hennen mit. Die frischen Eier waren eine wichtige Eiweißquelle.
Skorbut war seit der frühen Seefahrtsgeschichte eine gefürchtete Krankheit unter den Seeleuten. Die einseitige Ernährung über Monate hinweg, verursachte einen Vitamin-C-Mangel, von dem auch Piraten nicht verschont blieben. Die Seeräuber wurden schwach, bekamen Zahnfleischbluten, Hautentzündungen und hohes Fieber. Erst als 1754 entdeckt wurde, dass Zitrusfrüchte Skorbut vorbeugen, bekam man die Krankheit in den Griff.
Zitronen helfen zwar gegen Skorbut, aber nicht gegen Stürme und Unwetter, Kälte oder Hitze und manchmal sogar tödliche Langeweile.
Die wurde nur kurz durch einen Überfall auf ein Handelsschiff oder eine Küstenstadt unterbrochen. Im Gefecht verletzt zu werden, dann an den Folgen des Wundbrands zu sterben oder das eine oder andere Gliedmaß zu verlieren, waren nur zwei Risiken bei einem Angriff.
Mehr als den Tod auf See oder im Kampf, fürchteten die Seeräuber eine Gefangennahme, denn das bedeutete ein Dahinsiechen in einem stinkenden, feuchten und völlig überfüllten Kerker oder den Galgen als Endstation. Die Piraten hatten dafür einen eigenen Ausdruck.
Sie nannten es den „Tanz am Hanfstrick“.
...und ne’ Buddel voll Rum...
oder lebten die Piraten auch an Land?
Neben dem Leben an Bord eines Piratenschiffes gab es für Seeräuber auch immer wieder Zeiten, in denen er an Land ging. Am sorglosesten ging das in Seeräuberstädten an den Küsten oder auf Pirateninseln, wie sie die Bukanier bewohnten.
Zum einen musste das Schiff ordentlich überholt werden, damit seine Seetüchtigkeit erhalten blieb. Segel und Tauwerk wurden repariert und ausgebessert. Die Waffen wurden gereinigt oder neue beschafft.
Zum anderen wollten die Piraten nach der stinkenden Enge auf dem Schiff, endlich richtig Spaß haben. Dazu gehörte es, seinen Anteil der Beute in viel Rum, Wein und Bier umzusetzen und beim Glücksspiel alles zu gewinnen - oder zu verlieren.
Da die Mannschaften in der Regel nur aus Männern bestanden, waren die Seeräuber froh, an Land auch weibliche Gesellschaft zu finden. Anschließend waren die Beutel mit den „Achterstücken“ leer. „Achterstücke“ wurden die spanischen Silberdollar genannt, die in der amerikanischen Kolonialzeit weit verbreitet waren und die in acht Stücke zerschnitten wurden, wenn man Kleingeld benötigte.
Um wieder in See stechen zu können, wurde frisches Trinkwasser und neuer Proviant auf das Schiff gebracht. Der ein oder andere Matrose wurde angeheuert und es fanden sich neue dunkle Gestalten unter Deck ein.
What shall we do with the drunken sailor...
oder haben Piraten auch Gesetze?
Kühnheit und Hinterlist, Mut und Kampfgeist waren die wichtigsten Eigenschaften eines Seeräubers. Daneben bestimmten Brutalität, Gewalt und Menschenverachtung das Leben der Piraten. Stolz sollen sie gewesen sein. Für den Staat und die Gesellschaft waren und sind sie Gesetzlose und Verbrecher.
Piraten hatten ihre eigenen Gesetze und dabei ging es sogar, je nach Kapitän und Mannschaft, demokratisch zu.
So wurde gemeinsam darüber abgestimmt, welcher Kurs zu einem Raubzug eingeschlagen wurde, mit welcher Taktik ein Angriff erfolgte oder welche Strafe ein Mannschaftsmitglied erhalten sollte.
Die Paragrafen, also die Gesetze der Seeräuber, sahen vor, dass Ungehorsam, Feigheit, Diebstahl und Revolte bestraft wurde. Dabei kam z.B. die „Neunschwänzige Katze“ zum Einsatz, eine Peitsche mit neun Seilsträngen am Peitschenstiel. Die Anzahl der Peitschenhiebe richtete sich nach der Schwere des Vergehens.
Unordnung, Vernachlässigung der Pflichten oder heimliches Rauchen wurden ebenfalls geahndet. Dem betreffenden Matrosen wurde der Anteil an der Beute gekürzt oder musste unbeliebte Arbeiten an Bord verrichten.
Für den Verlust eines Auges oder Beines im Kampf, gab es dagegen Entschädigungen in Form von Achterstücken:
100 Achterstücke für ein Auge oder einen Finger. 400 Achterstücke für das linke und 500 Achterstücke für das rechte Bein oder den linken Arm. Verlor ein Seeräuber im Gefecht den rechten Arm, erhielt er 600 Achterstücke.
Seeräuberei, reine Männersache...
denkste, auch Frauen hatten das Kommando
Berühmte Piraten gab es viele:
Klaus Störtebecker und seine Gleichteiler, die Likedeelers. Gödeke Michels, der zusammen mit Kapitän Störtebecker auch die Vitalienbrüder im 14. und 15. Jahrhundert anführte.
Edward Teach, bekannt als Kapitän Blackbeard, der seinen schwarzen Bart zu langen Zöpfen drehte und wegen seiner Gewaltsausbrüche in der Karibik gefürchtet war. Kapitän Bartholomew Roberts, der zunächst ein ehrbarer Kapitän zur See war und mit erst mit 37 Gefallen an der Piraterie gefunden hatte. Edward Low, der grausamste Pirat des 18. Jahrhunderts, der eine ganze Schiffsbesatzung töten ließ.
Kaum zu glauben, aber wahr, unter diesen Raubeinen gab es Frauen, die nicht weniger hinterlistig und grausam waren. Die beiden bekanntesten waren später sogar Freundinnen und gingen zusammen auf Beutezug: Anne Bonny und Mary Read.
Sie machten im 17. und 18. Jahrhundert die Karibik unsicher. Als Männer verkleidet, schlossen sie sich der Mannschaft des Kapitäns John Rackham an. Als die Mannschaft 1720 von der königlich englischen Marine vor Jamaika gefangengenommen wurde, weil sie zu betrunken war, um sich zu wehren, sollen nur die beiden Frauen erheblichen Widerstand geleistet haben. Beide entgingen dem Galgentod, weil sie behaupteten, schwanger zu sein und um Milde baten. Das Gefängnis blieb ihnen nicht erspart und Mary Read starbt dort an Fieber. Anne Bonny soll zu John Rackham am Tag seiner Hinrichtung gesagt haben:
„Es tut mir leid dich hier zu sehen, Jack, aber wenn du wie ein Mann gekämpft hättest, müsstest du nicht jetzt wie ein Hund hängen.”
In China versetzte die Piratin Zheng Yi Sao um 1800 die Handelsschiffe auf dem südchinesischen Meer in Angst und Schrecken. Sie war die Anführerin einer Piratenflotte mit 1.800 Dschunken und über 70.000 Piraten als Besatzungen, die sich in einem Piratenbund zusammengeschlossen hatten.
Mit Kopftuch, Ringelshirt und halben Hosen-Piraten haben ihren eigenen Modestil
Ein rotes Kopftuch, einen Dreispitz, eine Kappe oder einen Schlapphut gegen die Sonne;
ein weißes Baumwoll- oder Leinenhemd, darüber eine Weste und eine Kniebundhose sind die Kleidungsstücke der Seeleute und Piraten zur damaligen Zeit. Gegen Regen schützte eine Segeltuchjacke, eine Wolljacke oder –mantel. Ein Halstuch fängt den Schweiß, der bei der harten Arbeit an Bord in Strömen rinnt, auf und dient ganz praktisch mal als Lappen, Tragemöglichkeit oder Sieb. Wenn unter der Beute einer Kaperung Kleidungsstücke waren,
wurde die Kleidung der Mannschaft richtig bunt und zuweilen reichlich sonderbar.
Goldstücke und Funkelsteine-
von Schätzen, Karten und Inseln
Die Schiffe auf den Handelsrouten der Karibik waren reich beladen: Gold und Silber aus den Minen Südamerikas, Edelsteine und Indianerschätze. Auf ihrem Weg nach Spanien wurden sie Opfer der Piraten. Dabei wurden auch manches Mal Schiffe samt Ladung versenkt und ihre Schätze liegen wohl heute noch auf dem Meeresboden. |