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Mustang, Berber und Azteken

Mustang, Berber und Azteken sind die Bezeichnungen für ein Auto, ein Volk in Nordafrika und ein sagenhaftes, vergangenes Reich. Gleichzeitig sind es drei Pferderassen von über 330 weiteren Pferdezüchtungen auf der Welt. Zu ihnen gehören z. B. auch Hannoveraner, Holsteiner, Rheinländer und Westfalen aus Deutschland. Die Beschreibungen der einzelnen Pferderassen füllen ganze Bücher und sind auf den ersten Blick verwirrend, deshalb unterscheiden wir vier wesentliche Pferdetypen:
Pony

Das Pony

Ein Pony hat ein Stockmaß von bis zu 148 cm und gehört damit zu den Kleinpferden.

Das Stockmaß wird vom Boden bis zum Übergang zwischen Hals und Rücken des Ponys, entweder mit einem Stab oder mit den Händen, gemessen.

Um die Größe eines Tieres anzugeben, wird bei Pferden, Rindern und Hunden immer das Stockmaß verwendet.
Das Pony ist den Urwildpferden, aufgrund seiner Größe und Robustheit, am ähnlichsten.
Ponys erfreuen sich gerade bei Kindern großer Beliebtheit, dabei waren sie ursprünglich reine Arbeitstiere, die Schwerstlasten zogen oder schleppten. In England arbeiteten früher Shetland-Ponys unter Tage in den Bergbaustollen. Sie zogen die schweren Förderwagen, denn diese Ponys können das Doppelte ihres eigenen Gewichts ziehen. Das sind immerhin bis zu 400 kg, das entspricht einem Gewicht von fast fünf Waschmaschinen. Waren die Shetis erst einmal unten im Schacht, blieben sie dort ihr Leben lang und sahen kein Tageslicht mehr. Am 22.6.1966 wurde im Ruhrgebiet das Grubenpferd Tobias aus der Schachtanlage General Blumenthal in Recklinghausen geholt und verlebte seine letzten vier Jahre auf einem Bauernhof der Umgebung.
Zu den bekanntesten Ponyrassen gehören neben den Shetis auch Dartmoor und Exmoorponys, Haflinger, Fjordpferde und Isländer.

Das Kaltblut

Ein Kaltblutpferd hat weder eine geringe Körpertemperatur, noch ist es abgestumpft. Vielmehr ist es ein ruhiges und überaus starkes Arbeitstier. Je nach Rasse, kann ein Kaltblut ein Stockmaß von 1,95 m und ein Gewicht von bis zu 1.000 kg erreichen. Kaltblüter wurden vor der Motorisierung in der Landwirtschaft, als Brauerei- oder Kohlewagenpferde eingesetzt. Auch heute noch helfen sie den Waldarbeitern beim Verrücken von Baumstämmen in Waldgebieten, die für Maschinen und Fahrzeuge unzugänglich sind. Der Ardenner ist eine französische Kaltblutrasse. Diese Rasse diente bereits im römischen Imperium als Kriegspferd und war bis zum 2. Weltkrieg ein Artillerie-Pferd, das die schweren Geschütze zog. Leider sind einige Kaltblutrassen, wie das Rheinisch-Westfälische oder das Schleswiger Kaltblut, vor dem Aussterben bedroht. Daher unternimmt die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) große Anstrengungen um diese „sanften Riesen“ zu erhalten.
Schwarzwälder Füchse, Freiberger und das englische Shire Horse gehören zu den Kaltblutrassen.

Das Warmblut

Das Warmblutpferd hat, ebenso wie das Pony, das Kaltblut- oder das Vollblutpferd, eine Körpertemperatur von etwa 38 °C. Es ist mit einem Stockmaß von bis zu 1,70 und einem Gewicht von 400 bis 600 g ein ideales Sport- und Freizeitpferd.
Da sich Warmblüter - je nach Pferderasse - sehr gut für viele Reitsportarten wie Dressur, Springen, Geländereiten oder als Kutschenpferd eignen, werden z. B. Holsteiner und Hannoveraner für den Hochleistungssport gezüchtet. In Deutschland gibt es viele verschiedene Zuchtgebiete für Warmblutpferde. Jedes Zuchtgebiet in Deutschland hat ein eigenes Brandzeichen und in 10 von 16 Bundesländern gibt es Staatsgestüte, auf denen das deutsche Reitpferd gezüchtet wird. Kein Wunder, dass die Namen weiterer Warmblutrassen Oldenburger, Westfale, Rheinländer, Sachsen oder Brandenburger lauten.
Besonders bekannt sind die deutschen Trakehner. Sie wurden vor dem 2. Weltkrieg auf dem ostpreußischen Gestüt Trakehnen seit 1732 gezüchtet. Im eisigen Winter 1944 flohen die Bewohner Ostpreußens vor der russischen Armee und nahmen die besten Zuchtpferde mit auf die Flucht. Ein riesiger Treck aus Menschen, Tieren und Wagen zog unter den schlimmsten Bedingungen Richtung Westen. Viele haben die Strapazen der Flucht nicht überstanden. Von den ehemals 18.000 in Ostpreußen registrierten Trakehnerstuten überlebten nur 600 Tiere. Mit diesen Stuten und etwa 50 Trakehnerhengsten, wurde nach dem Krieg diese Traditionszucht mit großem Erfolg wieder aufgenommen.
Der hübsche schwarze Friese, der weiße Lipizzaner und das englische Hackney-Pferd gehören, neben vielen anderen Rassen, ebenfalls zu den Warmblutpferden.

Das Vollblut

Ein Vollblutpferd ist feingliedrig, temperamentvoll und schnell. Die Vorfahren der arabischen und englischen Vollblüter sind die Pferde der arabischen Wüste, daher auch die Bezeichnung Araberpferde. Sie wurden über die Jahrhunderte von den Beduinen gezüchtet. Der islamische Prophet und Religionsstifter Mohammed soll gesagt haben, dass die bösen Geister niemals das Zelt betreten, in dem sich ein arabisches Pferd befindet. Vielleicht haben die Beduinen deshalb ihr Lieblingspferd mit in ihr Zelt genommen und Seite an Seite mit dem Tier gelebt.

Eine Legende erzählt, dass der Prophet Mohammed um 622 n. Chr. mit seiner Karawane in einen Sandsturm geriet. Als er und seine Begleiter am Abend an einen Brunnen gelangten, stürzten sich die erschöpften Pferde auf das Wasser, doch Mohammed rief sie zurück. Seine Stuten Abayyah, Hamdaniyah, Kuhaylah, Saqlawiyah und Hadbah waren die einzigen, die gehorchten und zu ihm zurück trabten. Mohammed segnete sie für ihren Gehorsam und legte ihnen seinen Daumen in den Nacken, wo daraufhin an dieser Stelle kleine Haarwirbel entstanden. Diese fünf Stuten wurden von dem Propheten für die edle Araberzucht auserwählt.

Arabische Vollblüter, die heute das „Daumenzeichen“ des Propheten haben, gelten als besonders edle Pferde. Tatsächlich zeichnet sich das arabische Vollblutpferd durch seine Zähigkeit und sein Durchhaltevermögen aus. Viele Menschen finden, es sei das schönste Pferd der Welt.
Dieser Meinung konnte sich jedoch 1730 der französische König Ludwig XV. nicht anschließen. Als er vom Herrscher von Tunis, dem Bey, unter anderem einen Berberhengst mit Namen „Sham“ geschenkt bekam, fand er diesen hässlich. Er verschenkte das Tier und auf allerlei Umwegen gelangte „Sham“ nach England. Dort wurde er 1731 als Deckhengst auf einem Gestüt eingesetzt und zeugte das berühmteste Rennpferd dieser Zeit.
Gleichzeitig war „Sham“ damit einer der drei Stammväter der Pferderasse „englisches Vollblut“. Während Araber ein Stockmaß von etwa 1,50 erreichen, wird ein englisches Vollblut bis zu 1,65 m hoch. Beide Vollblüter eignen sich, vor allem für lange Strecken, als Reitpferde und sind ausgezeichnete Rennpferde.
Wird ein Vollblutpferd mit einer anderen Pferderasse gekreuzt, geht daraus ein Halbblutpferd hervor. Durch die Kreuzung der arabischen Vollblüter mit anderen Pferden, sind die vielen guten Eigenschaften des Arabers im Laufe der Jahrhunderte in andere Rassen hinein gezüchtet worden. Auch in Deutschland gibt es viele Arabergestüte. 1949 wurde der „Verband der Züchter und Freunde des arabischen Pferdes“ gegründet.

Mustang, Berber und Azteke

Die frei lebenden Pferde Nordamerikas werden Mustangs genannt. Ihre Vorfahren kamen im 16. und 17. Jahrhundert mit den spanischen Eroberern nach Nordamerika. Die Indianer hatten noch nie ein Pferd gesehen, denn die Tiere waren 10.000 Jahre vorher in der Eiszeit in Nordamerika ausgestorben. Zunächst verehrten die Indianer die Tiere als Heiligtum. Erst viel später nutzten sie die Pferde als Transportmittel, für die Zucht und zur Jagd. Während die Indianer einen sanften Umgang mit ihren Mustangs pflegten, war gerade die Wildheit des Mustangs bei den Cowboys sehr beliebt. Sie konnten in Rodeos so um ihre Männlichkeit und ihren Mut beweisen. Auch heute sind Rodeos eine beliebte Tradition in Nordamerika. Tierfreunde halten das Zureiten eines halbwilden Pferdes allerdings für Tierquälerei, denn es geht immer darum, den Willen des Tieres zu brechen.

Berber sind eine arabische Pferderasse aus Nordafrika und gehören zu den ältesten Pferderassen der Welt. Der Urahne des Berbers ist das Ramskopfpferd der Eiszeit.
Das Pferd „Sham“ war der wohl berühmteste Berberhengst. Die Kreuzung eines Berberpferdes mit einem Araberpferd nennt man Araber-Berber. Es ist ein beliebtes Sportpferd.

Azteken sind die Reit- und Arbeitspferde der mexikanischen Vaqueros, wie die Stierhüter genannt werden. Diese Pferderasse wird es erst seit Anfang der 70er Jahre in Mexiko gezüchtet.

Vielleicht hast du bereits bemerkt, wie vielfältig die Pferdezucht ist.

Jede einzelne Pferderasse hat ihre ganz besonderen Merkmale. Das betrifft sowohl das Aussehen als auch den Einsatz der Tiere. Wenn du nun den Unterschied zwischen Rappen und Fuchs oder Flocke und Stern kennenlernen möchtest, klicke hier.

Stute und Fohlen

Text: Nicole Potthoff

Und wieder zum Pferde-Spezial

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