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Indianer Spezial

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Indianer-Spezial
Indianer trinken

Pemmikan, Pikibrot , Yaupontee und Muktuk – Speis’ und Trank auf indianische Art


Um ein gleich zu Beginn keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die indianische Küche ist so unterschiedlich und vielfältig wie die Stämme in Nord-, Mittel- und Südamerika.

Je nachdem wo und wie die Menschen in den Regionen zwischen Eis, Küste, Wald, Prärie und Wüste lebten, standen Robben- oder Walfleisch, Fische, Samen, Nüsse, Beeren, Bisonfleisch, Mais, Bohnen, Kürbis oder Süßkartoffeln und einiges mehr auf dem Speiseplan.

 

Wenn wir heute auf dem Markt das ganze Jahr Tomaten und Kartoffeln kaufen können, haben wir das den indianischen Frauen zu verdanken, die diese Feldfrüchte als erste Menschen in ihren Gebieten anbauten. Auch Bohnen, Mais und Kürbis stammen aus der Landwirtschaft der Indianer, keine anderen Völker haben mehr Nutzpflanzen angebaut. Was wären wir ohne Kaffee, Kakao, Erbsen, Weintrauben, Äpfel oder Erdbeeren?

Mehr als eine Nahrungsquelle – das Bison

Die Prärieindianer ernährten sich das ganze Jahr fast nur von Bisonfleisch. Häufig wird der Bison, das amerikanische Wildrind, auch Büffel genannt. Das ist jedoch nicht richtig, denn nur afrikanische und asiatische Rinderarten, wie der Wasserbüffel, sind echte Büffel.
In der baumlosen Prärie, mit seinem harten Steppengras lebten bis zum 19. Jahrhundert Millionen von Bisons, die den etwa 31 verschiedenen Indianerstämmen das Überleben sicherte. Bevor die Indianer den riesigen Herden auf Pferden folgen und mit Pfeil und Bogen jagen konnten, hatten sie verschiedene andere Jagdtechniken entwickelt. Sie trieben eine Herde auf einen Felsabhang zu oder sie umzingelten eine kleinere Anzahl von Bisons und zündeten das trockene Präriegras an, um dann die vom Feuerring eingeschlossenen Tiere zu töten. In den Monaten Juni, Juli und August waren die gewaltigen Zotteltiere besonders fett, das war die Hauptjagdzeit. Aber nie wurde ein Tier nur aus reiner Lust am Jagen getötet und jedes erlegte Tier wurde gründlich verwertet.

Nur die jungen Krieger nahmen an der Bisonjagd teil. Sie betrachteten es als Ehre mit ihrem Mut und ihrem Geschick das Überleben des Stammes zu sichern.
Noch am Jagdplatz wurden die erlegten Tiere gehäutet und zerlegt. Die erfolgreichen und tapferen Jäger wurden mit der Haut, den Höckern und den Zungen der Tiere belohnt. Die besten Fleischstücke wurden im Lager von den Frauen auf riesigen Holzspießen gebraten und während eines großen Festes gegessen. Im großen Magensack des Bisons, dem Pansen, kochten die Frauen einen großen Fleischeintopf. Bekam der „Kochtopf“ nach ein paar Tagen Löcher, wurde er ebenfalls verspeist.
Für den Winter wurde Bisonfleisch in der Sonne getrocknet, anschließend mit Steinhämmern klein gestampft. Mit Beeren, Samen und Kräutern vermischt wurde, diese Masse mit Bisonfett verknetet bis sie fest war. Dieses Gericht heißt Pemmikan und wird auch heute noch in abgewandelter Form zubereitet. Der nahrhafte Pemmikan hielt sich über die Wintermonate in Beuteln aus der Rohhaut der Bisons. In Streifen geschnittenes Trockenfleisch und Pemmikan roh oder gebraten bildeten ein nahrhaftes Essen für die harten Wintermonate. Die weichen Nasenknorpel der Bisons wurden wie Kaugummi gekaut. Rohhäute und Felle sind ohne Fleisch und Fett. In einem speziellen Verfahren werden sie getrocknet und können dann weiterverarbeitet werden. Im Vergleich zu heute waren diese Arbeitsgänge zurzeit der Bisonjäger eine ekelige Angelegenheit und Schwerstarbeit. Bis aus den Häuten Tipis, Kanus, Kleidung, Decken und andere Gegenstände des täglichen Bedarfs gefertigt waren, vergingen Tage und Wochen. Aus dem Fett der Tiere wurde Seife hergestellt. Die Sehnen wurden zu Seilen, Bogensehnen und Nähgarn verarbeitet. Die Hörner wurden zu Bechern. Aus den Knochen fertigten die Prärieindianer Pfeilspitzen, Werkzeuge und Messer. Der Bisonschwanz eignete sich hervorragend als Pinsel oder Fliegenklatsche. Aus den Hufen wurde eine Art Klebstoff gewonnen.

Wenn du siehst, wie abhängig die Prärieindianer von den Bisonherden waren, dann verstehst du vielleicht auch, was die Ausrottung und das sinnlose Abschlachten der großartigen Tiere durch die weißen Siedler und die europäischen Jagdgesellschaften für die Stämme bedeuteten: den Todesstoß für die Ureinwohner der Prärie. Die Bisons konnten 1872 durch die Gründung des Yellowstone-Nationalparks vor dem Aussterben bewahrt werden. Heute leben wieder an die 350.000 Bisons in Nordamerika, ein Bruchteil der Anzahl von Tieren, die es gab bevor die Europäer Jagd auf sie machten.

Indianisches Allerlei – Mais, Kürbis und Bohnen

Eine Spezialität der Navajo und Puebloindianer ist das blaue, hauchdünne Papierbrot aus blauem Maisgrieß und anderen Zutaten. Es wird Pikibrot genannt und auf einem heißen, glatten Stein gebacken. Das Zermahlen der Maiskörner auf Steinplatten beanspruchte viel Zeit. Täglich verbrachten die Frauen Stunden mit dieser schweißtreibenden und schweren Arbeit zu, um aus dem Mehl einen Brei zu kochen oder Fladen zu backen. Aus den Blättern einer Stechpalmenart, dem Yaupon kochten sie einen Tee, den Yaupontee. Gebackener Kürbis mit gerösteten Kürbiskernen als Beilage ist ebenfalls ein beliebtes indianisches Gericht, ebenso wie Succotash, ein Gemüseeintopf aus Mais und Bohnen. 

Überhaupt haben Gerichte mit Mais als Zutat auch bei den Inka, Maya und Azteken in Mittel- und Südamerika eine große Rolle gespielt.

Exotische Kost für Überlebenskünstler

Auf dem Speisezettel der Wüstenindianern am Rande der Rocky Mountains standen in der Trockenzeit auch Eidechsen, Ratten, Raupen und Grillen. Essbare Wurzeln und Knollen wurden ausgebuddelt zu einer Mahlzeit verarbeitet.

An der Nordwestküste – Fisch und Wal

An der Nordwestküste war Fisch die Hauptnahrungsquelle. Lachs, Meerforelle, Hering und Heilbutt, aber auch Walfleisch wurden auf die vielfältigste Art und Weise von den Indianerfrauen zubereitet. Mit Beilagen aus verschiedenen Pflanzen und Kräutern stellten sie nahrhafte Gerichte her. Die Nootka waren ebenso wie das Volk der Haida unerschrockene Walfänger. Anstatt darauf zu warten, dass ein Wal an den Strand gespült wurde, gingen sie in Holzkanus und mit Harpunen bewaffnet auf Walfang.

Gesunde Rohkost aus Robbe und Wal

Die Inuit ernährten sich fast nur vom rohen Fleisch und den Innereien der Robben und Wale.
Wie die Prärieindianer zogen sie im Laufe eines Jahres den Beutetieren hinterher.
Die Leber und der Inhalt eines Walrossmagens wurden noch an Ort und Stelle warm gegessen. Frische Walhaut enthält viele Vitamine und ersetzte dadurch pflanzliche Nahrung, die den Inuit in ihrer Eiswelt fehlte. Das so genannte Muktuk war und ist ein tellergroßes Stück dieser Haut mit viel Fett und gilt als Delikatesse.
Ganz praktisch wurde Frischfleisch in Eisgruben aufbewahrt. Damit Eisbären, Wölfe und Polarfüchse sich nicht an der Jagdbeute der Inuit bedienen konnten, wurde das Fleisch auf zwei bis drei Meter hohen Holzgestellen gelagert und gleichzeitig getrocknet. Auch sie verwerteten alles von den erlegten Tieren für den Bedarf an Kleidung, Werkzeug und anderen Dingen. Aus einem Stück Robbendarm wurde ein Fenster im Iglu „verglast“. In Lampen, die gleichzeitig als Kocher verwandt wurden, brannte Robbenfett.

Chocolatl – keine Schweizer Erfindung

Rezepte für Süßigkeiten, Nachspeisen oder Naschereien finden sich in den Rezeptsammlungen fast eines jeden Indianerstammes. Honig, Ahornsirup oder Ahornzucker versüßten das harte Leben. Wir verdanken den Azteken die Trinkschokolade, allerdings war das ursprüngliche „Chocolatl“ ein bitteres Gemisch aus gemahlenen Kakaobohnen, Zimt, Vanille, Chilipfeffer und Wasser. Wasser aus einer klaren Quelle oder einem Fluss war das Hauptgetränk aller Indianerstämme. Daraus konnten sie wunderbare Kräutertees kochen, die auch als Mittel gegen viele Krankheiten verabreicht wurden.

Text: Nicole Potthoff

Indianer-Spezial
       
 

 

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