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Götter, Geister, Träume und Bärentanz – der Glaube der Indianer
Der Glauben hat bei den Indianern viele Gesichter und wir können euch nur wieder einen kleinen Teil vorstellen.
Es sind Welten voller Magie, Göttern, Geistwesen und einer großen Ehrfurcht vor der Natur und ihren Kräften. |
Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass die Menschen in, mit und von der Natur lebten.
Sie waren den Naturereignissen ausgesetzt, suchten Erklärungen für das, was um sie herum vorging und letztlich wollten sie mit ihren Gebeten, Feiern und Ritualen auf das Geschehen Einfluss nehmen.
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Sonnengötter, Tempel und Menschenopfer
Die Azteken verehrten etwa 1.600 Götter. Für jeden Lebensbereich gab es eine Gottheit. Sie bauten Tempelpyramiden in denen Azetekenpriester heilige Rituale – unter anderem Menschenopfer – vollzogen. In ihren Häusern hatten sie Hausaltäre und Statuen aus Ton, die Götter darstellten und angebetet wurden. Der mächtigste Gott war Tetzcatlipoca. Er wachte über das Schicksal eines jeden Menschen. Der Glauben an Götter und die Religiosität der Azteken war so stark, dass sie bei der Ankunft der Spanier dachten, der Schlangengott Quetzalcoatl sei in Gestalt des spanischen Eroberers Hernan Cortés heimgekehrt. Die Grafik in dieser Seite stellt übrigens den Regengott der Azteken, der den Namen Tlaloc hatte, dar.
Ebenso wie die Azteken teilten die Maya das Universum in drei Welten ein: Der Himmel war die Überwelt bestehend aus 13 Schichten. Die Erde war die Mittelwelt, sie bestand aus 7 Schichten. Die Unterwelt besaß vier Teile oder war eine viereckige Platte, die 9 Schichten umfasste. Jede Schicht wurde von einem anderen Gott beherrscht. Alle Götter waren in ständiger Bewegung und standen in Beziehung miteinander. So konnte sich der Sonnengott als Hirsch oder Kolibri zeigen. In der Mitte der drei Welten stand der Weltenbaum als Achse des Weltalls. Westen, Norden, Osten, Süden und zusätzlich die Mitte als Richtung spielten bei den Maya eine wichtige Rolle. Jeder Richtung wurden Götter, Farben, Tiere und Pflanzen zugeordnet. Alle Tempel und die dazugehörigen Ballspielplätze waren danach ausgerichtet. Regelmäßig wurden in den Tempelanlagen Ballspiele zu Ehren der Götter abgehalten.
Die Priester der Maya waren als Wahrsager bekannt und hatten dadurch großen Einfluss auf die Menschen und ihr Leben. Alles war von göttlicher Energie durchdrungen. Es gab keinen Unterschied zwischen belebten und unbelebten Dingen. Die Götter gaben alles und konnten auch alles wieder nehmen oder zerstören. Der „Gott über den Göttern“ war Hunab Ku. Er war der Vater des Sonnengottes, dem zweithöchsten Mayagott, der die Mayakultur der Legende nach gegründet hatte.
Die Sonne und ihre Verehrung stand im Mittelpunkt des Lebens der Inkas. Einer Legende nach schickte Inti der Sonnengott, die Geschwister und Eheleute Manco Capac und Mama Occlo auf die Erde. Sie begründeten mit ihren Kindern das Volk der Inka. Daher nannten sich die Inkas „Töchter und Söhne der Sonne“. Seit dieser Zeit war jeder Inkakönig der „sapa inca“ und wurde als Gottheit verehrt. Der Sapa Inka sollte als freundlicher und toleranter Gottkönig herrschen. Heilige, von Geistwesen bewohnte Orte wie Berggipfel, Felsen, Seen oder Tempel und Gräber waren „huacas“. Dort wurde gebetet, getanzt und geopfert, um die Geistwesen gütig zu stimmen.
Träume, Tänze und die Kraft der Geister
Alles Leben ist heilig und alles Leben ist durchdrungen von einem oder vielen Geistern und Mächten. Die Natur, alle Dinge und Lebewesen besitzen eine große, unsichtbare Kraft.
Die Indianer wollen im Einklang mit der Natur leben, damit ihr empfindliches Gleichgewicht nicht gestört wird.
Die Indianer Nordamerikas glaubten je nach Stammeszugehörigkeit an die verschiedenen Geister der Ahnen, Totems, böse Zwergenwesen oder einen „Großen Geist“. Dieser ist der Herrscher und Schöpfer der Erde. Aber „Manitu“, „Wakonda“, „Xupa“ oder „Orenda“, wie er von den verschiedenen Stämmen genannt wurde, war kein Gott oder eine Person. Man kann die indianischen Namen für den Großen Geist nicht wirklich übersetzen. Sie sind höchstens mit Wörtern wie „unsichtbar“, „geheimnisvoll“, „wunderbar“, „geistig“, „heilig“ oder „unsterblich“ zu beschreiben. Der Große Geist lebt in allen Dingen vom winzigsten Kieselstein, über die Pflanze am Wegrand bis zur Sonne.
Die allermeisten nordamerikanischen Stämme glaubten jedoch an eine Geisterwelt voller Regengeister, Schutzgeister, Waldgeister oder Schlafgeister, um nur einige wenige zu nennen. Über Träume war es den Indianern möglich, Kontakt zum Beispiel zu ihren Schutzgeistern aufzunehmen. Junge Indianer auf dem Weg zum Erwachsenwerden gingen für einige Tage allein in die Wildnis. Dort fasteten sie, verbrachten die Zeit ohne Schlaf bis ihnen in einer Vision ihr Schutzgeist in Form eines Tieres erschien. Von da an war dieses Tier ihr Totem, der Schutzgeist. Auf diese Art wurden auch Gesichtsbemalungen oder Glücksbringer „ermittelt“, die in einem Medizinbeutel gesammelt wurden. Solche Beutel wurden auch das ganze Dorf zusammengetragen. Geriet der Stamm in Not durch Hunger, Krankheit oder Krieg wurde das Heilige Bündel mit vielen feierlichen Zeremonien geöffnet, um die Kräfte, die darin innewohnten, freizulassen.
Die Schamanen eines Stammes hatten die besondere Aufgabe, den Kontakt mit der Geisterwelt aufrecht zu erhalten, vergleichbar mit einem Sprachrohr. Schamanen waren Heiler und Priester. Weil sie sich mit Heilkräutern so gut auskannten und viele Krankheiten heilen konnten, wurden sie von Europäern Medizinmänner genannt. Sie waren es auch, die rituelle Geistertänze anführten, Einfluss auf das Wetter nahmen oder den Indianern bei der Deutung ihrer Träume halfen.
Bei den Sioux gehörte der Bärentanz zu den rituellen Tänzen. Bevor sie auf die Bärenjagd gingen, führte der in ein Bärenfell gekleidete Schamane zusammen mit den Kriegern, die eine Bärenmaske trugen, einen Tanz auf. Sie ahmten von Trommeln und Gesängen begleitet, die behäbigen Bewegungen eines Bären nach. Zum einen stimmten sie sich so auf die Jagd ein, zum anderen baten sie um den Schutz der Geister für ihr gefährliches Vorhaben. Tänze gab es für viele Gelegenheiten: Den Ballspieltanz vor einem Lacrossespiel, den Büffeltanz vor der Büffeljagd oder die Tänze zum Potlatch.
Auch heute noch werden bei den großen Treffen der Indianerstämme, dem Powwows, vielen der alten Tänze aufgeführt.
Die Puebloindianer, die Irokesen und Küstenindianer bildeten Geheimbünde, die für bestimmte religiöse Zeremonien verantwortlich waren, mit denen Ahnen- und Schutzgeister angerufen werden sollten. Für die sesshaften Indianer, die von Ackerbau und Viehzucht lebten, waren Feiern, Tänze und Rituale als Bitte um Regen und eine gute Ernte von besonderer Bedeutung. So lebte je nach Lebensraum jeder Stamm seine eigenen religiösen Vorstellungen aus.
Tiergeister, Zauberformeln und Amulette
Die religiösen Vorstellungen der Eskimos waren ebenfalls sehr eng mit der Natur verbunden. Alles und jedes auf der Erde hatte eine Seele und alle Seelen waren miteinander verbunden. Die Seele konnte nach dem Tod eines Menschen oder eines Tieres wandern und sich einen neuen Körper suchen. Ein Tiergeist konnte auch das Leben eines Menschen stark beeinflussen und Krankheiten verbreiten oder eine Hungersnot auslösen, wenn die Tierart schlecht behandelt worden war. Umso sorgsamer musste man daher auch mit den erlegten Tieren umgehen. Die Tiergeister mussten erst in Zeremonien überredet werden, sich jagen zu lassen. Die erlegten Wale und Robben bekamen von den Eskimofrauen eine Schale frisches Wasser gereicht, damit sie nicht durstig den Körper wechseln mussten.
Es gab unzählige Geschichten und Legenden über die ersten Menschen in der Arktis, oder wie Menschen und Tiere entstanden waren. Dass diese Geschichten teilweise voller Widersprüche waren, interessierte niemanden. Es war Aufgabe der Schamanen das Unglück von den Eskimos fernzuhalten und geraubte oder verlorene Seelen wieder zu finden. Mit Zauberformeln und einer Vielzahl von einzelnen Amuletten aus Tierteilen schützen sich die Eskimos vor bösen Geistern, Krankheiten oder erbaten sich Glück bei der Jagd. Jungen und Mädchen wurden mit zahlreichen Amuletten behängt, die ihren Lebensweg begleiten sollten, damit aus ihnen gute Jäger und Ehefrauen wurden.
Indianische Religionen und das Christentum
Mit der Eroberung des Doppelkontinenten kam das Christentum und mit ihm die Missionare nach Amerika. Viele der europäischen Einwanderer waren aus ihrer Heimat geflohen, weil sie ihre Religion dort nicht ausüben durften. Doch anstatt nun in der Neuen Welt Toleranz gegenüber den indianischen Religionen zu üben, wurden diese verboten, heilige Plätze zerstört und die Indianer größtenteils unter Zwang zum Christentum „bekehrt“. Die indogenen Völker, die der Vertreibung und Ausrottung entkommen sind, entwickelten eine religiöse Mischung aus Christentum und indianischem Glauben. Die heute noch lebenden Indianer und Eskimos versuchen ihren Kindern und Enkeln indianischen Werte und Vorstellungen zu vermitteln. Dabei geht es nicht nur um Religiosität, sondern vor allem um die indianischen Wurzeln und das indianische Selbstbewusstsein.
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Text: Nicole Potthoff
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