Dankgebet der Irokesen
Weißt du, dass die Bäume reden?
Ja, sie reden.
Sie sprechen miteinander und sie sprechen zu dir,
wenn du zuhörst.
Aber die weißen Menschen hören nicht zu.
Sie haben es nie der Mühe wert gefunden, uns Indianer anzuhören,
und ich fürchte,
sie werden auf die anderen Stimmen
in der Natur nicht hören.
Ich selbst habe viel von den Bäumen erfahren:
manchmal etwas über das Wetter,
manchmal über Tiere,
manchmal über den Großen Geist.
Der Jäger spricht den Hirsch an, den er erlegt hat:
Es tut mir leid, dass ich dich töten musste, kleiner Bruder.
Aber ich brauche dein Fleisch, denn meine Kinder hungern.
Vergib mir, kleiner Bruder.
Ich will deinen Mut, deine Kraft und deine Schönheit ehren - sieh her!
Ich hänge dein Geweih an diesen Baum;
jedes Mal, wenn ich vorüberkomme,
werde ich an dich denken und deinem Geist Ehre erweisen.
Es tut mir leid, dass ich dich töten musste; vergib mir, kleiner Bruder.
Sieh her, dir zum Gedenken
rauche ich die Pfeife, verbrenne ich diesen Tabak.
Jimalee Burton oder Ho-chee-nee, eine Cherokee-Indianerin hat dieses Gedicht 1974 geschrieben, es zeigt, wie sehr die Indianer mit der Natur verbunden sind. Mehr darüber erfährst du im Kapitel „Der Glauben der Indianer“.
Ich begrüße Dich Du schöner Tag,
möge er mir Kraft verleihen, um Gutes zu tun,
damit ich am Abend ins Bett gehen kann, ohne mich zu schämen.
Morgengebet der Lakota. Mehr über darüber findest du im Kapitel „Indianische Regeln“.
Behandle alle Menschen, als wären sie mit dir verwandt.
Sprichwort der Navajo
Erziehung zur Stille, zum Schweigen begann schon sehr früh.
Wir lehrten unsere Kinder, still zu sitzen und Freude daran zu haben.
Wir lehrten sie, ihre Sinne zu gebrauchen, die verschiedenen
Gerüche aufzunehmen, zu schauen, wenn es allem Anschein nach
nichts zu sehen gab, und aufmerksam zu horchen,
wenn alles ganz ruhig schien.
Ein Kind, das nicht stillsitzen kann, ist in seiner Entwicklung zurückgeblieben.
Übertriebenes, auffälliges Benehmen lehnten wir als unaufrichtig ab,
und ein Mensch, der pausenlos redete, galt als ungesittet und gedankenlos.
Ein Gespräch wurde nie übereilt begonnen und hastig geführt.
Niemand stellte vorschnell eine Frage, mochte sie auch noch so wichtig sein,
und niemand wurde zu einer Antwort gezwungen.
Die wahrhaft höfliche Art und Weise, ein Gespräch zu beginnen,
war eine Zeit gemeinsamen stillen Nachdenkens;
und auch während des Gespräches achteten wir jede Pause,
in der der Partner überlegte und nachdachte.
Für die Dakota war das Schweigen bedeutungsvoll.
In Unglück und Leid, wenn Krankheit und Tod
unser Leben überschatteten, war Schweigen
ein Zeichen von Ehrfurcht und Respekt;
ebenso, wenn uns Großes und Bewundernswertes in seine Bann schlug.
Für die Dakota war das Schweigen von größerer Kraft als das Wort.
Luther Standing Bear wurde 1868 als Dakota-Junge Plenty Kill geboren. Mit elf Jahren kam er in eine Regierungsschule bekam von Lehrern dort den Namen Luther, denn alles die Kinder sollten ihre indianische Kultur und ihre Sprache vergessen. Sie wurden sogar hart bestraft, wenn sie in indianischer Kleidung zur Schule gingen oder sich untereinander in ihren Stammessprachen unterhielten. Im Erwachsenenalter erhielt Luther Plenty Kill den Namen „Standing Bear“. In den indianischen Familien wurden Kinder gerecht und freundlich erzogen.
Mehr darüber erfährst du in dem Kapitel „Familie, Clan, Sippe und Häuptlinge - Jeder hat seinen Platz und Ordnung muss sein“.
Im Kapitel „Indianische Namen“ wird die Namensgebung erklärt.
Wir sind ein Teil der Erde
…
Das Ansinnen des weißen Mannes, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken.
Aber mein Volk fragt, was denn will der weiße Mann? Wie kann man den Himmel
oder die Wärme der Erde kaufen - oder die Schnelligkeit der Antilope? Wie können wir Euch diese Dinge verkaufen - und wie könnt Ihr sie kaufen? Könnt Ihr denn mit der Erde tun, was Ihr wollt - nur weil der rote Mann ein Stück Papier unterzeichnet - und es dem weißen Mann gibt? Wenn wir nicht die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers besitzen - wie könnt Ihr sie von uns kaufen? Könnt Ihr die Büffel zurückkaufen, wenn der letzte getötet ist?
…
Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Rede des Häuptling Seattle, die er 1854 bei einer Anhörung vor Isaac I. Stevens, dem Gouverneur der Washington Territories, ab 1889 der US-Bundesstaat Washington, hielt. Häuptling Seattle gehörte zum Stamm der Duwamish. Der Anlass der Rede war das Angebot der amerikanischen Regierung das Land des Stammes zu kaufen und der Umzug der Indianer in ein Reservat. Der Vertrag wurde tatsächlich vom Häuptling, der auch für andere Stämme sprach unterschrieben. Am Ende stand darin jedoch nichts über ein Reservat für seinen eigenen Stamm, was zu einem weiteren Indianerkrieg führte.
Im „Indianer-ABC“ erfährst du unter den Stichwörtern „Indianerkriege“ und „Reservate“ mehr darüber.
Text: Nicole Potthoff
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