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Familie, Clan, Sippe und Häuptlinge - Jeder hat seinen Platz und Ordnung muss sein
Die Grenzen zwischen den Begriffen Familie, Sippe, Stamm und Volk sind fließend. |
Sie ändern sich unter anderem mit den Lebensbedingungen der Menschen.
In unserer Gesellschaft sprechen wir z.B. von den so genannten Patchwork-Familien, in denen Elternteile mit ihren Kindern aus erster oder zweiter Ehe bzw. Gemeinschaft eine neue zusammengesetzte Familie gründen.
Vater, Mutter, Kinder, Oma, Opa, Tante, Onkel - alle Menschen, die miteinander blutsverwandt sind bilden eine Familie.Durch Heirat kommen Schwiegerkinder, Schwägerin und Schwager mit ihren Familien dazu und schon wird aus einer Großfamilie ein Clan oder eine Sippe. |
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Mehrere Clans oder Sippen bilden einen Stamm. Schließen sich verschiedene Stämme zusammen, nennt man sie ein Volk. Womit gemeint ist, sie sind „viele“. Haben die Menschen eine gemeinsame Sprache, die gleiche Abstammung, Traditionen, Sitten und Gebräuche werden sie als Nation bezeichnet. Ein Begriff der aus dem alten Rom.
Stämme gibt es nicht nur bei den Indianern. Auch unsere Vorfahren waren Angehörige vieler verschiedener germanischer Stämme und Völker. Dazu mischten sich je nach Region keltische, slawische und baltische Stämme. Im Bundesland Bayern leben auch heute noch leben vier Stämme als Volk zusammen: Die Bajuwaren, die Franken, die Schwaben und die Sudetendeutschen.
Doch zurück zu den Indianern, sie lebten oftmals in Stämmen, die aus verschiedenen Sippen oder Clans bestanden. Die Stämme verteilten sich auf mehrere Dörfer. Es wurde oft zwischen weiblichen und männlichen Clans unterschieden: Alle Frauen mit ihren Ehemännern und unverheirateten Söhnen gehörten zum weiblichen Clan und umgekehrt waren alle Männer, ihre Ehefrauen und unverheirateten Töchter Mitglieder des männlichen Clans.
Jeder Clan hatte ein Tier oder einen anderen Gegenstand als Totem, vergleichbar mit einem Wappen. Für die Indianer ist das Totem ein Schutzgeist, mit dem sie geistig verbunden sind. Daher darf das Totemtier wie der Adler, der Bär oder der Wal auch nicht verletzt oder getötet werden. Ein Totem besitzt übernatürliche Kräfte und soll vor Krieg, Krankheit oder Hunger schützen.
Bei den Küstenindianern stammen alle Menschen mit dem gleichen Totem von demselben geistigen Vater ab, was nicht bedeutet, dass sie blutsverwandt sein müssen. Das bedeutet dennoch für die Frauen und Männer mit demselben Totem, dass sie einander nicht heiraten dürfen.
Das deutsche Wort Häuptling stammt eigentlich aus dem Altfriesischen und ist kein indianisches Wort, das wieder einmal dem Versuch einer Übersetzung standhalten musste. Zunächst waren mit Häuptlingen Adlige gemeint und erst später wurde daraus die Bezeichnung für die Anführer einer Gemeinschaft.
Kein Wunder also, dass die indianischen Anführer ihre Bezeichnung Häuptling von den Europäern verpasst bekamen. Einen großen Anteil daran hatte J.F. Cooper mit seinen Indianererzählungen Anfang des 19. Jahrhunderts.
Bei manchen Indianerstämmen gab es zwei Häuptlinge: einen Kriegs- und einen Friedenshäuptling. Bei den großen Indianervölkern reichten ein oder zwei Häuptling erst gar nicht aus, um das Geschick der Stämme zu lenken. Die Cheyenne hatten daher 40 einfache Häuptlinge, die von 10 Gruppenhäuptlingen geführt wurden. Über ihnen waren vier Stammeshäuptlinge für die gesellschaftliche Ordnung verantwortlich und sie wiederum unterstanden dem Oberhäuptling, der als geistiger Führer zugleich der Hüter der „Heiligen Pfeile“ war. Als die Cheyenne bei einem Angriff eines feindlichen Stammes die „Heiligen Pfeile“ verloren hatten, deuteten sie dies als Erfüllung einer Prophezeiung, die auch durch das Anfertigen neuer Pfeile nicht aufgehalten werden konnte.
Kriegshäuptlinge wurden oft nur für die Zeit eines Krieges gewählt, damit sie den Stamm mit ihrer Kampferfahrung durch diese schwierige Zeit führten. Als die Krieger der Sioux, Cheyenne und Arapahoes 1876 die Schlacht am Little Big Horn gegen die Soldaten General Custers gewannen, war Sitting Bull, der Medizinmann der Hunkpapa-Sioux, ihr alleiniger Oberhäuptling. Es war ihm gelungen, die Stämme im Widerstand gegen die Weißen zu einigen.
Die Friedenshäuptlinge hatten stattdessen die Aufgabe, das Miteinander im Alltag zu regeln. Die Sitten und Traditionen mussten gewahrt werden, Streitigkeiten geschlichtet und der Stamm bei Indianertreffen vertreten werden.
Die Arbeit der Friedenshäuptlinge ist durchaus vergleichbar mit der eines Bürgermeisters.
Die wichtigste Gemeinsamkeit ist die, dass beide immer noch auf den Stammesrat oder auf den Stadtrat hören müssen. In diesen Versammlungen werden die wichtigsten Entscheidungen für den Stamm bzw. für die Stadt getroffen. Außerdem können Häuptlinge und Bürgermeister jederzeit abgesetzt werden, wenn die Stammesmitglieder oder Bürger meinen, sie würden ihren Job nicht richtig machen. Natürlich gab es auch Indianerstämme, bei denen der Häuptlingstitel vom Vater auf den Sohn vererbt wurde.
Die Indianer an der Ostküste hatten einen Häuptling, den die Einwanderer wegen seiner großen Macht über sein Volk „Kaiser Powhatan“ nannten. Sein indianischer Name lautete Wahunsonacock. Er war der Vater, der berühmten „Indianerprinzessin“ Pocahontas. Sie wurde deshalb Prinzessin genannt, weil sie 1613 von den Engländern verschleppt und als Geisel genommen wurde, jedoch später als Prinzessin Rebecca an den englischen Hof als königliche Botschafterin ihres Vaters kam.
Wie ein heutiger Stadtrat bestand in früheren Zeiten auch der Stammesrat aus gewählten Männern und Frauen oder den Ältesten. Alle Ratsmitglieder genossen ein hohes Ansehen. Dieses Ansehen hatten sie sich durch besonders mutige Taten, großes Jagd- und Kriegsgeschick oder erfolgreichen Ackerbau und Viehzucht erworben. Was der Stammesrat beschloss, musste auch so gemacht werden. Allerdings hatte jedes Stammesmitglied das Recht, seine Meinung auch im Rat frei zu äußern. Wollte ein Krieger nicht an einer Kampfhandlung teilnehmen, so wurde seine Entscheidung von allen respektiert.
Frauen und Kinder – Wo die Sanftmut regiert
Frauen hatten bei den indianischen Völkern meistens wenig Einfluss. Sie leisteten Schwerstarbeit auf dem Feld, beim Auf- und Abbau der Tipis und dem Umzug von einem Lager ins andere. Gleichzeitig hatten sie die wenigsten Rechte. Zu ihren festen Aufgaben gehörte der Ackerbau, die Versorgung der Familie mit Essbarem, das Anlegen der Wintervorräte, die Herstellung von Kleidern, Decken usw. und das Kunsthandwerk. Ab und an zogen auch mal Frauen mit in den Kampf. Auch der Handel mit den europäischen Einwanderern war Frauensache.
Ehen wurden im Teennageralter geschlossen. Die Partner suchten die Familienangehörigen aus. Die Jungen hatten allerdings ein Mitspracherecht. Eine Ehe galt dann als geschlossen, wenn der Junge die Familie seiner Braut mit allerlei Geschenken überhäuft und das Mädchen die Familie des Bräutigams von ihren Fähigkeiten im Haushalt überzeugt hatte. Selbstverständlich hatte jeder Stamm auch in dieser Hinsicht eigene Heirats- und Scheidungsrituale. Eine indianische Scheidung konnte schon mal in Form eines aus dem Tipi geworfenen Mokassins oder eines auf den Boden geworfenen Stocks vollzogen werden. Dazu musste der Ehemann laut sagen: „Ich werfe sie weg.“ oder „Da fliegt meine Frau, wer den Stock fängt, kann sie behalten.“ Nun konnte ein anderes Stammesmitglied den Schuh oder Stock fangen oder aufheben und eine neue Ehe war gestiftet. Die Frauen wurden dazu zwar nicht gefragt, aber immerhin behielten sie die Kinder, das Haus oder Tipi und den gesamten Hausrat.
Bei den Irokesen dagegen hatten die Frauen das Sagen in der Familie. Ihnen gehörte alles: das Haus, das Land und die Ernte. Sie waren die Oberhäupter der Clans und Langhäuser. Sie bestimmten, wer Häuptling wurde, wählten ihn ab, wenn er in ihren Augen nichts taugte und trafen die Entscheidung, ob ein Krieg geführt wurde.
In einigen anderen Stämmen saßen die Frauen zwar nicht im Stammesrat, hatten aber dennoch bestimmte Rechte und konnten über viele wichtige Dinge des Alltags entscheiden. So konnte eine Tlingit-Frau an der Nordwestküste gleich zwei Männer heiraten, während die Männer bei den Prärieindianern mit zwei oder drei Ehefrauen und ihren Kindern zusammenlebten.
Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.“ So haben es auch die Indianer bei der Erziehung der Kinder gehalten:
Mutter, Vater, Großeltern, Onkel und Tanten waren an der Erziehung beteiligt.
Liebe, Herzlichkeit und Sanftmut wurden gerade bei den Müttern ganz groß- geschrieben. Auf Ungehorsam wurde mit Belehrungen, Ermahnungen, aber auch Drohungen reagiert. Schläge oder andere körperliche Gewalt waren eher die Ausnahme. Das Leben in der Prärie oder in der Wüste war hart und voller Entbehrungen, auch darauf mussten die Kinder vorbereitet werden. Schon früh lernten und übten sich die Jungen und Mädchen in ihren späteren Aufgaben.
Jungen erhielten bereits mit vier Jahren Pfeil und Bogen, während Mädchen mit Püppchen aus Fell spielten und die Arbeiten ihrer Mütter nachahmten.
Während die Mädchen in der Pubertät schon täglich lernen mussten einen Haushalt zu führen, durften die Jungen reiten, schwimmen, Bogenschießen, Spuren lesen und jagen. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Riesenspaß, tatsächlich war es ein hartes Überlebenstraining. Denn sie übten sich darin tagelang ohne Nahrung und Trinken in der Wildnis auszukommen, Schmerzen zu ertragen oder Mutproben zu bestehen.
Eine diese Mutproben bestand darin im Alter von etwa 13 Jahren ein paar Tage ohne Essen und Trinken ganz allein fernab des Dorfes zu leben oder einen Hügel zu besteigen. Dort warteten sie auf einen Traum, der ihnen ihr Totemtier zeigen sollte.
Für die Mädchen wurde für den Übertritt in die Frauenwelt ein Fest gefeiert.
Bei einigen Stämmen mussten die Mädchen regelrechte Prüfungen ablegen, um zu zeigen, dass sie einen Haushalt versorgen konnten.
Hatten Jungen und Mädchen diese Prüfungen und Feierlichkeiten überstanden, wartete schon das nächste Abenteuer auf sie: das Eheleben.
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Text: Nicole Potthoff
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