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Kidsweb-Faschings-Geschichte

Faschingsgeschichte

Tante Rosas Faschingszauber

„Ich will aber als Merlin zum Fasching gehen!“, wütend stampft der fünfjährige Leon mit dem Fuß auf den Küchenboden. „Ach Leon!“, seufzt Mama, „Ich habe es dir doch schon erklärt. Das Kostüm kostet 35 Euro. So viel Geld gebe ich für einmal Anziehen nicht aus.“ „Ich will aber!“ Dicke Tränen kullern aus Leons Augen. „Im Kostümverleih sind alle Zauberersachen bereits verliehen, weil wir zu spät dran sind. Wir können ein Kostüm basteln, aber das willst du nicht.“„Ich will ….“, heult Leon auf, diesmal noch lauter.

„Was ist denn hier los?“ Leons große Schwester Klara kommt kopfschüttelnd in die Küche. „Sag´ mal Leon, geht´ s dir noch ganz gut? Was soll denn das Geschrei? Als ich so alt war wie du …“ „Klara!“, warnt Mama, „Misch’ dich bitte nicht ein.“„Ich will Fasching ein Merlin sein! Arian wird ein Ritter, Merle eine Prinzessin“, schnieft Leon, „ und ich will dann …“ „Ich will, ich will, ich will“, äfft Clara ihren kleinen Bruder nach, „ein verwöhntes Bürschchen bist du!“ „Kinder, so kommen wir nicht weiter!“, sagt Mama mit fester Stimme. „Ihr seid beide so gemein!“, brüllt Leon und stürzt an Clara vorbei aus der Küche.
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Die Haustür knallend verlässt er die Wohnung. „Ach Leon!“, seufzt Mama noch einmal.

Immer wenn Leon Ärger oder Kummer hat, sperrt er sich in den kleinen Geräteschuppen im Garten ein. Dort kann er wütend vor sich hin schimpfen, über die Ungerechtigkeit dieser Welt klagen oder einfach nur heulen, so wie jetzt. Er sitzt in seiner Kummerecke auf einem dicken Kissen und fühlt sich richtig elend. Nicht nur weil er kein Merlinkostüm zum Fasching im Kindergarten hat, sondern weil er durchaus spürt, dass Clara Recht hat. Zwar nur ein Fitzelchen, ein ganz kleines, aber doch so viel, dass er Mama gegenüber ein schlechtes Gewissen hat. Schließlich wollte sie ihm helfen, aber er möchte kein selbst gebasteltes Zeug. Er will den großen, spitzen Hut, den schwarzen seidig schimmernden Umhang mit dem Silbergürtel und den tollen silbernen Zauberstab, egal was es kostet. „Nein!“, hat Mama gesagt und bei dem Gedanken an Mama und das Fest im Kindergarten muss er wieder anfangen zu weinen.

Die Nachbarin Tante Rosa Wunderlich will gerade zum Komposthaufen im Garten gehen, als sie das Schniefen und Schluchzen hört. Langsam geht sie auf den Schuppen zu, aus dem sie das Weinen vermutet. „Hallo?“, ruft sie und drückt vorsichtig die Klinke der Schuppentür hinunter. Die Tür ist verschlossen. „Hallo! Wer weint denn da so, dass die Vöglein das Singen vergessen?“ „Ich“, kommt als leise Antwort aus dem Innern des Schuppens. „Du also“, sagt Tante Rosa und lächelt. „Was macht dir denn das Herz so schwer, mein liebes ‚Ich’?“ „Ich will zum Kindergartenfasching ein Merlinkostüm haben und Mama sagt, das geht nicht“, schnieft Leon. „So, so ein verkleideter Merlin willst du sein und es geht nicht. Ja, das ist wirklich traurig, wenn das ‚Ich’ etwas will und niemand diesen Wunsch erfüllen kann.“ Tante Rosa nickt verständnisvoll mit dem Kopf und geht um den Schuppen herum bis zum kleinen Schuppenfenster.
Leon lauscht ihrer Stimme und ihren Schritten. Plötzlich taucht Tante Rosas rundes, rosiges Gesicht am Fenster auf. Sie lächelt und Leon hat das Gefühl, als wäre gerade der Mond aufgegangen. „Merlin, der Zauberer! Ja, den kenne ich. Nicht persönlich selbstverständlich, dazu bin ich viel zu jung“, Tante Rosa lacht, “er war schließlich steinalt und ist mausetot, aber ich kenne seine Geschichte. Du auch?“ Leon schüttelt den Kopf, sein Gesicht ist ganz rot und brennt ein wenig von den vielen salzigen Tränen. „Nun, er soll ein Magier gewesen sein. Ein Mensch, der um die Geheimnisse der Welt wusste.“ „Konnte er auch ein Kaninchen aus seinem Hut zaubern?“ „Aber nein, das konnte er nicht. Das können nur Zauberkünstler, die mit kleinen Tricks unseren Augen und Ohren einen Streich spielen. So gesehen, kann ich ebenfalls ein wenig zaubern.“ Tante Rosas Gesicht strahlt durch das kleine Fenster. Leons Augen weiten sich. „Echt?“ „Ja, sieh’ doch nur, du weinst gar nicht mehr!“ Leon stutzt, er weiß nicht, was er davon halten soll. Er ist tatsächlich nicht mehr so traurig, doch ob Tante Rosa seine Traurigkeit wirklich weggezaubert hat?
„Möchtest du dich als Magier Merlin verkleiden oder als ein Zauberkünstler wie Vitus Vitt?“ Leon denkt angestrengt nach. „Ist Vitus Vitt auch steinalt oder mausetot?“ „Nein“, antwortet Tante Rosa, „eher mittelalt und quietschlebendig.“
Da muss Leon lachen, weil er sich vorstellt, Vitus Vitt würde auf einem quietschenden und rostigen Rad durch die Gegend fahren. „Hat er einen Zauberhut?“, will er wissen. „Nein, er braucht keinen Zauberhut.“ „Hat er einen schwarzen Umhang?“ „Nein, er braucht keinen schwarzen Umhang.“ „Hat er einen Zauberstab?“, fragt Leon nun ein viertes Mal. „Nein, er braucht auch keinen Zauberstab.“ Leon grübelt, ein Zauberer ohne Hut, Umhang und Stab? Das soll ein richtiger Zauberer sein? „Aber was hat er denn dann an, damit man ihn als Zauberer erkennen kann?“ „Nun, als Zauberkünstler kann er anziehen, was er will. Das Wichtigste an einem Zauberer ist sein Blick. Er muss sehr geheimnisvoll gucken können, aber auch würdig. So, schau’ mal.“ Tante Rosa dreht ihr Gesicht hinter der Scheibe ein wenig zur Seite. Ihre Augen verengen sich zu kleinen Schlitzen mit denen sie Leon fest anblickt. Dann reckt sie ihr Kinn noch ein wenig vor. Plötzlich ähnelt ihr Gesicht einem Halbmond. „Oh!“, staunt Leon, „du siehst  ...“, er stockt, „ … geheimnisvoll und würdig aus.“ Nun müssen beide lachen. „Außerdem sollte ein Zauberkünstler ein oder zwei Zaubertricks beherrschen, mit denen er andere verblüfft.“ Leon nickt. Zaghaft fragt er: „Könntest du mir auch einen Zaubertrick zeigen?“ Tante Rosa lächelt. „Sogar mehr als einen, aber dazu musst aus dem Schuppen kommen, mein lieber Leon.“ Jetzt fällt Leon die Entscheidung gar nicht mehr schwer. Was sind schon steinalte Ritter und Prinzessinnen gegen einen echten Zauberkünstler?

Als er eine halbe Stunde später vergnügt zu Mama in die Küche kommt, verkündet er lauthals und mit geheimnisvoll funkelnden Augen: „Ich bin Leo Lotus, der Zauberkünstler!“ Mama sieht Leon an, lächelt und seufzt: „Ach Leon!“

Text: Nicole Potthoff

 
 
     
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