Die „Bütt“ ist ein Fass oder Zuber und oftmals sieht das Rednerpult auch wie ein Fass aus. Was das Fass mit der Rede zu tun hat, ist nicht eindeutig geklärt. Die Büttenrede hat sich aus dem mittelalterlichen „Rügerecht“ entwickelt.
Im Mittelalter war es Sitte, dass die einfachen Leute in der Faschingszeit über den König und den Adel ungestraft und lauthals meckern durften. Sie konnten sich auch über die Macken ihrer Herrschaft lustig machen und so manches Spottlied auf königliche Segelohren und O-Beine wurde in dieser Zeit gereimt und gesungen. |
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Heutzutage sind Politiker und Prominente mit ihren körperlichen und sprachlichen „Markenzeichen“ beliebte Themen in der Bütt. Auch der Ärger über Kirche, Steuern, neue Gesetze usw. wird in der Büttenrede verarbeitet und deftig Kritik geübt. Das nennt man dann eine politische Büttenrede. Manchmal sind diese Reden auch ganz schön böse, wie bei der Stunksitzung. Aber oft werden auch einfach nur Witze erzählt.
Im Kinderkarneval gibt es ebenfalls „Kinder“ und „Jugend in der Bütt“, wie es sich gehört machen hier Kinder das Programm der Kinderkarnevalsitzung. Die Erwachsenen sind allenfalls bei der Organisation erwünscht und bieten, wie könnte es anders sein, den Stoff für immer neue Kinderbüttenreden:
Ihr lieben Jecken hier im Saal,
ich muss euch sagen
ein für alle Mal:
Das Leben als Kind ist schon `ne Qual!
Ich bin schon zehn und ziemlich pfiffig,
und trotzdem schallt es täglich
laut und griffig:
Um acht ist Zapfenstreich!
Du gehst ins Bett
und zwar jetzt gleich!
Ihr lieben Jecken hier im Saal,
ihr stimmt mir zu
bestimmt auch dieses Mal:
Das Leben als Kind ist doch `ne Qual!
Kaum ist es acht am Morgen,
da plagen mich schon
die nächsten Sorgen:
„Bist du gewaschen und gekämmt?
Wieso sind Flecken auf dem Hemd?“
Ihr lieben Jecken auf der Banke,
ihr wisst schon, woran ich kranke:
Doch gerne sag’ ich’s noch einmal:
Das Leben als Kind ist doch ´ne Qual!
Und in der Schule geht es weiter:
„Wie, du kannst sie nicht,
die Tonleiter!
Dann setz’ hin und lerne
und guck’ nicht ständig in die Sterne!“
Ihr wisst schon,
was ich sagen will,
mit viel Gebrüll schallt´s durch den Saal:
Das Leben als Kind ist schon `ne Qual!
Doch oft kommt zu dem
das Behagen,
ich werde noch auf Händen getragen.
Ich muss nicht kochen,
und nicht putzen,
kein Geld verdienen,
den Bart nicht stutzen.
Ihr guten Jecken, glaubt es mir,
dass es so bleibt, das wünsch’ ich mir! |