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Kartoffelhahn und Michaelskönig – Erntedankbräuche
Bevor die Menschen die Monate nach dem römischen Kalender benannten, hieß der September Herbstsaat, Holzmonat oder Herbstmonat. Diese Monatsnamen deuten an, welche Arbeiten in der Landwirtschaft und im Garten zum Herbstanfang anstehen:
Die Felder und Beete für die Wintersaat bestellen. Das Holzhacken nicht vergessen, damit der Ofen im Winter ordentlich gefüttert werden kann. |
Ackerbau und Viehzucht ist nach wie vor Handarbeit, auch wenn sie durch Maschinen erleichtert wird. Bevor die Maschinen für die Landwirtschaft erfunden worden waren, war die Arbeit schwer und körperlich sehr anstrengend. Es wurden zur Erntezeit viele helfende Hände benötigt. Nach dem Motto „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ wurden zum Ende der Erntezeit nicht nur Erntedankgottesdienste abgehalten, sondern auch ordentlich gefeiert.
Erntefeste mit Musik, Tanz, einem Festessen und Erntebier gehörten ebenso dazu wie der Erntekranz. Einige der alten Bräuche, die in den verschiedensten Regionen Deutschlands gefeiert wurden und noch gefeiert werden, stellen wir euch vor:
Der Kartoffelhahn
Als die Kartoffeln noch von Hand geerntet wurden, riefen die Erntehelfer „Mir han scho de Hahn!“, wenn sie die letzten Kartoffeln geerntet hatten. Der Ruf bedeutete so viel wie „Wir sind schon fertig!“. Der Bauer stiftete seinen Arbeiterinnen und Arbeitern einen oder mehrere Hähne, die dann gemeinsam verspeist wurden.
Kein Wunder also, dass sich alle auf den Ruf „Mir han scho de Hahn!“ freuten und auf dem mit Kartoffeln beladenen Wagen auf den Hof zogen.
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Die Erntepuppe
Aus den letzten Bündeln der Getreidehalme wurde auf dem Feld eine Erntepuppe gebunden. Sie war das Geschenk für den „Geist des Getreides“. Manchmal wurde sie mit zum Erntefest genommen. Andernorts nahm der Bauer sie mit nach Hause und bewahrte sie bis zum nächsten Erntedankfest auf. Heute werden oft riesige Puppen aus Strohballen errichtet, die als Wegweiser oder Reklamepuppen für das Erntefest im Dorf aufgestellt werden.
Wie man so eine Erntepuppe herstellen kann findet ihr hier. |
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Der Erntekranz und die Erntekrone
Aus Getreideähren, Blumen und bunten Bändern flechten oder binden die Landfrauen einen Erntekranz oder eine große, schwere Erntekrone. Dieser Brauch hat eine lange Tradition und wird auch heute noch jedes Jahr in vielen Dörfern gepflegt. Manchmal gibt es sogar richtige Wettbewerbe um die schönste Erntekrone. In vielen Wohnungen, auch in der Stadt, schmücken in der Herbstzeit Türen und Fenster Erntekränze. |
Der Ernteteppich
Auch der Ernteteppich hat eine lange Tradition. Er wird aus Getreidehalmen geflochten und mit allen Gaben der Natur geschmückt oder als Bild aus den Erntegaben vor den Altar gelegt.
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Die Fruchtsäule
Aus Kartoffeln, Äpfeln, Birnen, Mais und Möhren usw. wird eine Säule gesteckt, die vor dem Altar oder dem Gemeindehaus aufgestellt wird.
Der Erntedankumzug
Pferde- und Ochsengespanne, Traktoren und Leiterwagen werden festlich mit Erntegaben geschmückt. Dazu spielt der heimische Spielmannszug und die Gemeinde zieht durch das Dorf zum Festplatz oder zur Kirche. Auch die Vorgärten entlang des Umzuges sind mit Erntegaben verschönert.
In einigen Dörfern findet ein Umzug der besonderen Art statt: Kinder und Jugendliche der Kirchengemeinde ziehen vor dem Erntedanksonntag in den Dörfern von Haus zu Haus und sammeln Erntegaben ein. |
Anschließend werden die Spenden in die Kirche gebracht.
Der Almabtrieb
Im Herbst wird das Vieh von den Bergwiesen in die Dörfer zurückgeholt. Die Tiere werden reich mit Blumen und Bändern geschmückt. Sie tragen große Glocken um den Hals, mit denen die bösen Geister auf dem Weg ins Dorf vertrieben werden sollen. Die Tiere kommen anschließend auf die Winterweide oder in den Stall.
Das Kirchweihfest
Jahrmarkt, Kirmes, Kerwe, Kilbe oder Kirta – das Kirchweihfest hat viele Namen.
Doch gefeiert wird es heute fast überall gleich: mit Karussells, Schieß- und Imbissbuden. Ursprünglich wurde an diesem Tag im Dorf der Jahrestag der Einweihung der Kirche gefeiert. Was als besinnliches Familienfest, mit vielen Wettspielen, Bauernmarkt und Festmahl begann, ist heute ein lautes und teures Riesenspektakel.
Der Michaelskönig
Der Brauch am Michaelstag einen Drachen steigen zu lassen, geht wohl auf die Geschichte in der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament zurück: der Erzengel Michael besiegte einst den Teufel, der ihm im Himmel in Gestalt eines Drachen erschienen war. Michaelkönig wird der Drachenführer, dessen Drachen am höchsten steigt. |