Sie wuchsen auch nicht als kleine Prinzen auf, sondern als einfache Hirten. Einer von beiden soll sogar die berühmte Stadt Rom gegründet haben. Doch immer schön eines nach dem anderen, denn die Geschichte über die Römer und Rom fängt viel früher an:
Wie der Zufall es will, kommen hier die alten Griechen ins Spiel. Genauer gesagt ein griechischer Held: Aeneas. Der musste aus dem griechischen Troja vor Odysseus fliehen und landete nach einigen spannenden Abenteuern an der Westküste Italiens bei den Latinern. Auf diese Weise kamen die Römer zu ihrem griechischen Stammvater und letztlich auch zu ihrer lateinischen Sprache. Allerdings sollten noch einige Jahrhunderte bis zur Gründung der Stadt Rom vergehen. Dazwischen liegen Auseinandersetzungen um Ländereien, erstaunliche Begebenheiten und viele trojanisch-latinische Nachkommen. Zwei davon waren Numitor, der Großvater der besagten Zwillinge und sein Bruder Amulius. Letzterer kam sich besonders schlau vor, als er seinen Bruder Numitor vom Thron der Stadt Alba Longa verjagte und seine Nichte Rhea Silvia in einen Vestatempel steckte. Dort sollte sie der Göttin Vesta dreißig Jahre lang dienen. So wollte Amulius verhindern, dass von dieser Familienseite Thronerben geboren werden. Doch wie sagt ein altes Sprichwort? Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.
Die Geschichte nahm eine jähe Wendung, als sich ein Kriegsgott in Rhea Silvia verliebte. Ob es Ares, der Kriegsgott der Griechen oder Mars, der Kriegsgott der Römer war, soll für uns keine Rolle spielen. Die Zwillinge waren jedenfalls die Früchte dieser Liebe. Als Amulius von der Geburt der Kinder erfuhr, wurde er mächtig sauer. Was für die zwei Säuglinge bedeutete: Ab ins Körbchen und hinein in die kalten Fluten des Tiber. Die Hoffnung des Bösewichts, dass sie diese Flußfahrt nicht überleben würden, erfüllte sich - den Göttern sei Dank - nicht. Stattdessen strandete der Korb nicht weit von der Stelle entfernt, wo man ihn hineingesetzt hatte. Vom Geschrei der Kinder angelockt, erbarmte sich eine Wölfin der Jungen. Wie Wölfe nun mal sind, soll sie die kleinen Schreihälse aus dem Wasser gezogen und gesäugt haben. Jedenfalls erzählte dies später der Hirte Faustulus, der es mit seinen eigenen Augen gesehen haben wollte. Dieser Faustulus war nämlich auf der Jagd nach der Wölfin gewesen, weil sie ihm ein Schaf aus seiner Herde gerissen hatte. War es vielleicht ein Fingerzeig der Götter, dass ausgerechnet Faustulus zu jener Zeit an diesem Ort war? Schließlich hatten er und seine Frau gerade einen kleinen Sohn verloren. Waren die Zwillinge vielleicht ein Geschenk der Götter an die traurigen Eltern? Faustulus nahm die Gabe zumindest dankbar an und nahm die Kinder mit nach Hause. Es dauerte nicht lange, da erfuhr er von der könglichen Abstammung der Zwillinge, denen das Paar die Namen Romulus und Remus gegeben hatte. Seine Frau und er beschlossen dennoch, die beiden wie ihre eigenen Kinder großzuziehen.
Die Jahre gingen ins Land und aus den Kindern wurden junge, kräftige Männer. Sie gaben immer und überall den Ton an, waren erfolgreiche Jäger und halfen ihrem Vater bei der Arbeit mit der Schafsherde, wo sie nur konnten. Als es eines Tages wieder einmal zu einem handfesten Streit zwischen den Hirten des Königs Amulius und den Hirten Numitors um einen Weidegrund kam, wurde Remus überwältigt und vor Amulius geführt. Der erkannte den jungen Mann allerdings nicht. Vielleicht waren ja auch wieder die Götter im Spiel, jedenfalls befahl Amulius, dass sein Bruder den Raufbold bestrafen sollte. Schließlich war Numitor der Boss der streitbaren Hirten, zu denen auch Romulus und Remus gehörten. Bei Numitor angekommen, lüftete Faustulus aus Angst um das Leben des Jungen, das Geheimnis der Zwillinge. Er überzeugte den alten Mann, dass Romulus und Remus tatsächlich seine Enkel waren. Mit der großen Freude kamen allerdings auch die alten Geschichten wieder auf den Tisch. Die Zwillinge beschlossen, sich an ihrem hinterhältigen Großonkel zu rächen. Sie trommelten ihre Hirtengefährten zusammen und zogen gemeinsam nach Alba Longa. Ihr Angriff kam für Amulius und seine Leute viel zu überraschend, als dass sie sich hätten wehren können. Die siegreichen Zwillinge riefen ihren Großvater Numitor zum rechtmässigen König über das Land Latium aus. Aus Dankbarkeit schenkte er ihnen dafür das Land mit den sieben Hügeln am unteren Tiberstrom. Dort wollten Romulus und Remus den Traum ihres Vorfahren Aeneas erfüllen und eine Stadt erbauen, von der aus sie die ganze Welt beherrschen wollten.
Tolle Idee, aber bei der Umsetzung gerieten die beiden Brüder so dermaßen in Streit, dass Romulus seinen Bruder Abel … stopp! Das ist eine ganz andere Geschichte, auch wenn sich das Ende gleicht. Jedenfalls blieb Romulus am Ende allein auf seinem Hügel Palatin sitzen und gab der neu gegründeten Stadt den Namen Rom.
Soweit die Sage von der Gründung Roms, die allerdings erst von Titus Livius über 750 Jahre später aufgeschrieben wurde. Egal wie es wirklich war, dem römischen Volk hat es jedenfalls sehr gefallen, von einem Gott abzustammen. Es ist doch auch wirklich ein spannende Geschichte, oder?
Hier geht’s lang zum Römer-Spezial. 
|