Die Synagogen sind mehr als nur Gebetshäuser. Dort finden auch Feste und Versammlungen der Gemeinde statt.
Gläubige können dort zusammen mit den Rabbinern die heiligen Schriften studieren und diskutieren.
Das Innere einer Synagoge ist nach religiösen Vorschriften aufgebaut. Dabei ist der Thoraschrein das Allerheiligste. Dort werden die handgeschriebenen Thorarollen aufbewahrt. Die Rollen sind in reich verzierte kostbare Tücher gewickelt. Sie sind so heilig, dass die Zeilen beim Vorlesen nur mit einem Stab aus einem Edelmetall berührt werden dürfen. Diesen „Zeiger“ nennt man Jad oder Yad. Das ist hebräisch und heißt übersetzt „Hand“.
Der Thoraschrein wird auch Heilige Lade genannt. Nachdem Mose von Gott die beiden Tontafeln mit den Zehn Geboten erhalten hatte, wurden diese in einer Lade im Stiftszelt aufbewahrt. Das Stiftszelt erhielt seinen Namen, weil jeder aus dem Volk Israel einen Teil zur Errichtung des Zeltes beigetragen und gestiftet hatte. Und auch die Verhüllung des Allerheiligsten stammt aus dieser Zeit. Die Heilige Lade befand sich im Stiftszelt in einem von Vorhängen abgetrennten Raum, den nur die Priester betreten durften. Der Thoraschrein in der Synagoge ist ebenfalls durch einen Vorhang verhüllt. Er steht an der Wand des Gebäudes, die in Richtung Jerusalem weist. Das ist auch die Richtung, in die gebetet wird. Die Menora, der siebenarmige Leuchter, ist ebenfalls eine Erinnerung an das Stiftszelt und die Tempel. Sie wird an bestimmten Festtagen in der Synagoge angezündet.
Vor dem Schrein steht oder hängt das „ewige Licht“ als Erinnerung daran, dass Gott immer anwesend ist. In Ehrfurcht und Achtung vor Gott trägt jeder Besucher der Synagoge eine Kopfbedeckung. Das können ein Kopftuch, ein Hut oder eine kleine Kappe, die so genannte Kippa, sein.
Von einer Kanzel oder einem erhöhten Pult aus, wird aus der Thora vorgelesen. Diese Aufgabe kann jedes Gemeindemitglied übernehmen, das an der Bat Mizwa für Mädchen oder der Bar Mizwa für Jungen teilgenommen hat. Anlässlich dieser für die Mädchen und Jungen im Alter von 12 bis 13 Jahren so wichtigen religiösen Zeremonie, lesen sie zum ersten Mal öffentlich aus der Thora vor. In sehr streng-religiösen Gemeinden hat die Synagoge eine Galerie für die Frauen, weil dort Frauen und Männer getrennt voneinander den Gottesdienst besuchen müssen, in diesen Gemeinden wird auch keine Bat Mizwa für Mädchen gefeiert.
Damit ein Gottesdienst abgehalten werden kann, müssen in streng-religiösen Gemeinden mindestens zehn Gläubige anwesend sein. Die Sprache der Lieder, Gebete und der Thoratexte ist Hebräisch, manchmal auch Aramäisch. In vielen Gemeinden tragen die Gläubigen zum Gebet neben der Kopfbedeckung einen Gebetsmantel aus einem viereckigen Tuch und zwei Lederriemen. Ein Lederriemen wird um den Kopf getragen und der andere um die Schreibhand gewickelt. Jeder der beiden Riemen besitzt einen kleinen Behälter, in dem Texte aus der Thora und das jüdische Glaubensbekenntnis aufbewahrt werden. Die Liederriemen sollen den Betenden an seinen Glauben und Gottes Macht erinnern. |