| Die Bücher der Thora enthalten die gesamte Geschichte des Volkes Israel. Sie beginnt mit der Erschaffung der Welt, erzählt von Abraham, Mose, dem Auszug aus Ägypten, dem Bund Gottes mit dem Volk Israel, den Zehn Geboten und die Ansiedlung in Kanaan, dem gelobten Land.
Für die Juden hat Gott in den heiligen Schriften seinen Willen kundgetan und ihnen seine Weisungen für das Zusammenleben mit ihm und untereinander überbracht.
Er hat die Welt erschaffen, und er bestimmt über das Leben. Durch Propheten wie Abraham und Mose wurde dem Volk Israel sein Wille offenbart:
Das Volk Israel soll Zeugnis und Beispiel sein für das Wirken Gottes.
Es soll alle daran erinnern, dass jeder Einzelne selbst für sein Handeln vor Gott verantwortlich ist und es soll immer eine Herausforderung für das Gewissen des Einzelnen bleiben.
Gott verspricht seinem Volk dafür eine Zeit des Friedens und der Gerechtigkeit. Eines Tages wird ein Messias, ein „Gesalbter“, kommen und ihnen dieses Heil bringen.
Für die Juden ist die Einhaltung der Weisungen und Gebote Gottes der Sinn des Lebens. Sie sehen sich als Diener des Herrn. Das Gebet „Höre Israel! Der HERR, unser Gott ist einzig“ wird Schemá genannt. Es ist Teil des Glaubensbekenntnisses der Juden und wird dreimal am Tag gebetet.
Der Name Gottes wird aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen. Stattdessen wird „Gott“ durch die Anrede Adonaj – HERR - ersetzt. In deutschsprachigen religiösen Texten schreiben die Rabbiner das Wort G’tt für Gott. Im Hebräischen stehen die Buchstaben JHWH für den Namen des Herrn.
In jeder Synagoge werden die fünf Bücher der Thora als Schriftrollen aufbewahrt.
Jungen und Mädchen werden früh zum Lesen der heiligen Schriften angehalten. Rabbiner und ihre Eltern helfen ihnen, sie zu verstehen und die Gebote einzuhalten.
Ein Rabbi ist ein Schriftgelehrter, der sich mit der Auslegung der heiligen Schriften beschäftigt. Rabbi heißt übersetzt „mein Lehrer“. Er steht den Gläubigen mit Rat und Hilfe bei der Ausübung ihres Glaubens zur Seite.
Ein religiöses Oberhaupt gibt es im Judentum nicht und auch keine Priester.
„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.“
(3. Buch Mose, Kapitel 19, Vers 18)
Doch die Thora ist für die Juden mehr als ein Geschichtsbuch oder das Weisungsbuch für das religiöse Leben, wie die Heiligung des Sabbats oder die Speiseregeln. Sie enthält vor allem die wichtigsten Werte dieses Glaubens:
Achtung vor dem Leben,
denn die Menschen sind die Ebenbilder Gottes und alle gleich.
Aber: Gott darf nicht in Bildern gezeigt werden, denn er ist größer und herrlicher, als es jemals ein Mensch darstellen könnte. So schreibt es auch das 2. Gebot vor.
Gleichheit
Gerechtigkeit
Soziale Verantwortung
Großzügigkeit
Wohltätigkeit
Freundlichkeit
Gastfreundschaft
Erziehung
Bildung
Die Geschichte des Judentums ist auch eine Geschichte der Verleumdung, Verachtung, Unterdrückung, Vertreibung und Verfolgung. Keine andere Religion hat so viele Opfer zu beklagen.
Das größte und schlimmste Verbrechen an den Juden wurde von 1939 bis 1945 begangen: Während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland wurden mehr als sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens umgebracht. Das waren mehr als ein Drittel der jüdischen Weltbevölkerung.
Dieser Völkermord wird als Holocaust oder hebräisch Shoa bezeichnet. |
Viele Millionen Juden waren vor den Nazi-Verbrechern geflohen und nach dem zweiten Weltkrieg heimatlos. 1948 gründeten sie mit Hilfe Großbritanniens in dem von Arabern bewohnten Palästina den Staat Israel. Dazu wurde Palästina in einen jüdischen und in einen palästinensischen Staat geteilt. Seitdem gibt es immer wieder Krieg um das Land und die Stadt Jerusalem, die heilige Stadt der Juden, Christen und Muslime. |