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Glaubenswelten

Glaubenswelten

Geht es dir beim Anblick des Sternenhimmels auch so, dass du dich fragst, wer sie erschaffen hat? Seit es Menschen gibt, bewegt sie die Frage nach der Schöpfungsgeschichte. Antworten fanden sie in ihren Religionen, lange bevor es die Wissenschaft gab.

In den Stammesreligionen Afrikas, Südasiens und Südamerikas glauben die Menschen auch heute noch an Geister, Götter und die Kräfte der Natur.

Vorfahren werden wie im Ahnenkult der chinesischen Religion verehrt und angebetet.

Die Geister der Ahnen sind die Verbindung zu noch mächtigeren Geistwesen, die die Familie oder den Stamm beschützen sollen.

 

Die Grenzen zwischen den Begriffen Familie, Sippe, Stamm und Volk sind fließend. Sie ändern sich unter anderem mit den Lebensbedingungen der Menschen. In unserer Gesellschaft sprechen wir z.B. von den so genannten Patchwork-Familien, in denen Elternteile mit ihren Kindern aus erster oder zweiter Ehe bzw. Gemeinschaft eine neue zusammengesetzte Familie gründen.
Vater, Mutter, Kinder, Oma, Opa, Tante, Onkel - alle Menschen, die miteinander blutsverwandt sind bilden eine Familie. Durch Heirat kommen Schwiegerkinder, Schwägerin und Schwager mit ihren Familien dazu und schon wird aus einer Großfamilie ein Clan oder eine Sippe.
Mehrere Clans oder Sippen bilden einen Stamm. Schließen sich verschiedene Stämme zusammen, nennt man sie ein Volk. Womit gemeint ist, sie sind „viele“. Haben die Menschen eine gemeinsame Sprache, die gleiche Abstammung, Traditionen, Sitten und Gebräuche werden sie als Nation bezeichnet. Ein Begriff der aus dem alten Rom.

Stammesreligionen sind räumlich sehr begrenzt und haben nur eine kleine Anhängerschaft, manchmal besteht diese nur aus einer großen Familie.
Die traditionellen Religionen der Indianer gehören ebenfalls zu den Stammes- oder Naturreligionen. Diese Religionen haben meistens keine heiligen Schriften. Rituale und Bräuche werden von Generation zu Generation mündlich überliefert.

Viele der alten traditionellen Religionen sind im Laufe der Jahrtausende mit ihren Völkern untergegangen. Es haben sich neue Religionen entwickelt oder durch Andersgläubige ins Land gebracht. Wurden zunächst mächtige, unsichtbare Wesen und Geister als Beschützer der Menschen verehrt, entdeckten andere Völker die Götter für sich. Aus dem alten Ägypten ist der Himmelsgott Horus bekannt, der als Beschützer der Kinder galt. Seine Eltern waren die Muttergöttin Isis und Osiris, der Gott der Toten, des Jenseits und der Wiedergeburt.

Im alten Griechenland, im römischen Reich und in Germanien wurden ebenfalls ganze Götterfamilien mit Haupt- und Nebengöttern angebetet.

Die gesamten Götter eines Volkes nennt man Pantheon.

Zeus, Hera, Herakles und Poseidon sind nur einige Namen der griechischen
Götterwelt. Bei den Römern hießen sie entsprechend Jupiter, Juno, Herkules und Neptun. Daneben gab es die gefährlichen Zentauren, die mit Pferdeleib und menschlichem Oberkörper ständig Krieg führten. Der Sitz der griechischen und römischen Götter war der heilige Berg Olymp in Griechenland, weshalb man auch von den olympischen Göttern spricht.
Diese Götter waren den Menschen sehr ähnlich. Ob Liebeskrimi, Mord und Totschlag, Krieg und Frieden – den olympischen Göttern war nichts Menschliches fremd. Aber sie waren im Gegensatz zu den Menschen über- oder unterirdisch und mit übernatürliche Kräften ausgestattet.

Bei den Germanen herrschte Wodan, in Skandinavien als Odin bekannt, über die Götter und Menschen. Sein Sohn Donar oder Thor ist der Gott des Donners und Besitzer eines gewaltigen Hammers. Donar haben wir unseren Donnerstag zu verdanken. Die Götterdämmerung ist nicht nur Teil einer Oper von Richard Wagner, sondern im germanischen Glauben der Untergang der Welt.

Die Ureinwohner Australiens, die Aboriginis, glauben an eine Traumzeit. In dieser längst vergangenen Zeit wurden alle Lebewesen erschaffen, zugleich verbindet die Traumzeit die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft.

Jede Religion hat ihre eigenen Riten und Bräuche zu bestimmten Anlässen. Es gibt Gebete, Lieder und Tänze zur Geburt eines Kindes ebenso wie zum Erntedank.

An heiligen Orten in der Natur werden die Götter ebenso verehrt wie in Tempeln oder Pagoden aus Stein.

In der bunten und vielfältigen Götterwelt des Hinduismus gibt es Geister, Götter und Dämonen, die vielerlei Gestalt annehmen und das Schicksal der Menschen bestimmen. Im Buddhismus gibt es hingegen keinerlei Götter, obwohl ihr Begründer Siddharta Gautama mancherorts wie ein Gott verehrt wird.

Polytheismus nennt man den Glauben an viele Götter.

Mit Abraham beginnt um 1.800 vor Christus einer neuer Abschnitt in der Geschichte der Religionen. Abraham will nicht mehr an viele Götter glauben, sondern nur noch einen einzigen, den Gott Jahwe. In der hebräischen Bibel und im Alten Testament erfahren wir, wie sich Gott Abraham offenbart hat. Wie es tatsächlich dazu kam, dass Abraham nur noch an Jahwe glaubte, wissen wir nicht. Vielleicht hatte er lange über die vielen Götter und Opfergaben nachgedacht und war zu dem Ergebnis gekommen, dass es nur einen Gott geben kann, der Himmel und Erde gemacht hat.
Vielleicht gab es ein Naturereignis oder eine andere Begebenheit, die ihn dazu veranlasste. Abraham ist jedenfalls der Stammvater einer neuen Religion, von dem das Judentum abstammt. Rund 2.000 Jahre später beginnt mit der Geburt des Juden Jesus von Nazareth die Geschichte des Christentums. Und als im Jahr 610 nach Christus dem Karawanenführer und Kaufmann Muhammed ibn Abd Allah in einer Höhle der Erzengel Gabriel erscheint, ist diese Begegnung die Geburtsstunde des Islam.

Den Eingottglauben nennt man Monotheismus.

Neben den sechs großen Religionen der Welt – Hinduismus, Buddhismus, chinesische Religion, Judentum, Christentum und Islam – gibt es eine ganze Reihe anderer Religionen und Glaubensrichtungen, von etwa 1,1 Milliarden nicht-religiösen Menschen einmal abgesehen.
Glaube und Religion haben für viele Menschen eine ganz persönliche Bedeutung. Die Gemeinschaft der Gläubigen ist Familie und Heimat, Trost und Zuflucht.
Manchmal wird die Religion aber auch zu einem Schwert, mit dem Andersdenkende verletzt werden sollen. Das passiert vor allem dann, wenn es um die Fragen geht: „Welche der vielen Religionen ist die richtige? Gibt es nur einzig wahre Religion?“

Text: Nicole Potthoff

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