Mit der christlichen Taufe bekennen sich Menschen zu Gott. Durch Zeremonien wie die Erstkommunion, die Firmung oder die Konfirmation wird der Bund mit Gott Vater, Jesus Christus und dem Heiligen Geist erneuert und vertieft.
In der katholischen Kirche feiern die Jungen und Mädchen im Alter von etwa neun Jahren ihre Erstkommunion. Sie werden damit als vollständige Mitglieder in die Gemeinde aufgenommen und dürfen am Abendmahl, der Eucharistiefeier, teilnehmen. Als Jugendliche bekräftigen sie mit der Firmung ihr Bekenntnis zu Gott und zur katholischen Kirche. Auch Erwachsene können zur Erstkommunion und Firmung gehen. Beiden Zeremonien geht eine Zeit der Vorbereitung voraus, in denen
die Katecheten und Firmlinge mehr über Jesus Christus, den Glauben und die religiösen Rituale ihrer Kirche erfahren. Mit der Firmung dürfen die Jugendlichen an den allen übrigen Sakramenten teilhaben und kirchlich heiraten.
In der evangelischen Kirche besuchen die Kinder ab der siebten Schulklasse einen zweijährigen Konfirmationsunterricht. Bereits das Wort „Konfirmation“ drückt aus, welchen Sinn dieses Zeremonie haben soll: „confirmare“ ist das lateinische Wort für das Verb „bekräftigen“ oder „begründen“. Die Konfirmanden bestätigen und bekräftigen noch einmal vor der versammelten Gemeinde ihren Glauben und ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Christen. Auch die Konfirmanden nehmen im Konfirmationsgottesdienst meistens zum ersten Mal am Abendmahl teil. Wer konfirmiert ist, darf selbst Taufpate werden, Ehrenämter in der Kirchengemeinde übernehmen und an den kirchlichen Gemeindewahlen teilnehmen.
Auch das Apostolische Glaubensbekenntnis gehört zu den Säulen des Christentums.
Die uralten Glaubensformeln werden von der Gemeinde im Gottesdienst gemeinsam gesprochen oder gesungen. Sie bestätigen damit ihren Glauben an die Dreieinigkeit Gottes, die Auferstehung Jesus Christus, das ewige Leben und die Stärke der christlichen Gemeinschaft.
Im Glaubenbekenntnis steht also alles, woran Christen glauben.
Seit 1971 gibt es einen Text, der sowohl von der evangelischen als auch von der katholischen Kirche anerkannt ist und in den Gottesdiensten gesprochen wird:
Ich glaube an Gott, den Vater den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
Doch nicht nur das Bekenntnis zu Gott trägt den christlichen Glauben, auch das Gespräch mit Gott, das Gebet, ist für Christen sehr wichtig.
Ja, ich glaub, Gott hört Gebet,
ja, ich weiß, Gott hört Gebet,
ganz gewiss, Gott hört Gebet!
Ehre sei dem Herrn!
(von Dudley Kidd 1864 -1921) |
Die Bibel und andere religiöse Büchern enthalten viele Gebete. Im Neuen Testament steht der Psalm 23. Dort können wir nachlesen, welche Bedeutung Gott im Christentum hat:
Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Es gibt Morgen- und Abendgebete, Tischgebete, Gebete an Heilige oder Gebete zu den verschiedenen Festen im Kirchenjahr wie dem Erntedank.
Das Vater Unser ist wohl das bekannteste christliche Gebet. Im Evangelium von Matthäus steht, dass Jesus selbst diese Worte an seine Jünger weitergab.
Das stille Gebet ist und bleibt etwas ganz persönliches zwischen Gott und dem Betenden. Ein persönliches Gebet kann eine Bitte für sich und andere sein oder ein Dankeschön. Es kann aber auch ein Geheimnis sein, das nur Gott anvertraut wird.
Das Falten der Hände und das Niederknien zum Gebet sind Gebetshaltungen, wie wir sie auch aus anderen Religionen wie dem Hinduismus oder dem Judentum kennen. Sie dienen dazu, dass der Betende zur Ruhe kommt, damit er sich ganz auf das Gebet konzentrieren und einlassen kann.
Eine besondere Form des Gesprächs mit Gott ist die Beichte. In einem Beichtgebet können Gott Ereignisse oder Dinge erzählt werden, die das Gewissen belasten.
Es kommt vor, dass man etwas sagt oder Dinge tut, bei denen man sich hinterher schlecht fühlt. Die Beichte „ablegen“ oder „abgeben“ macht es deutlich:
Die Last des schlechten Gewissens wird bei Gott abgegeben und derjenige, der gebeichtet hat, fühlt sich erleichtert.
Die Beichte soll aber auch helfen, das falsche Verhalten zu benennen. In dem man laut sagt „Ich habe gelogen …“ oder „Ich habe geklaut …“ gesteht man das Fehlverhalten ein. Man kann damit zwar nichts ungeschehen machen, aber das Nachdenken und darüber sprechen hilft, dass man es beim nächsten Mal besser macht oder ganz vermeidet.
In beiden Kirchen gibt es die Möglichkeit bei einem Pastor, Pastorin, Pfarrer oder Priester die Beichte unter vier Augen abgeben. Das Beichtgeheimnis schützt den Beichtenden, denn der Pfarrer oder die Pastorin dürfen mit niemanden über das Gesagte sprechen. In der katholischen Kirche kann man die Beichte auch in einem Beichtstuhl ablegen. Manchen Menschen fällt es leichter über ihre Gewissensbisse zu sprechen, wenn sie dem Pfarrer nicht in die Augen sehen müssen und sie unerkannt bleiben. Der Beichtstuhl besteht aus zwei Kabinen. In der einen sitzt der Pfarrer und in der anderen der Beichtende. Beide können einander nicht sehen, aber hören.
Wenn die Beichte abgelegt wurde, spricht der Pfarrer oder die Pastorin die folgenden Worte:
„Dir sind deine Sünden vergeben.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Im Beichtgottesdienst der evangelischen Kirche wird allgemein über Schuld und falsches Verhalten gesprochen. Auch dort spricht der Pastor oder die Pastorin am Ende des Gottesdienstes die Worte der Vergebung.
„Die Zeit ist erfüllt,
und das Reich Gottes ist herbeigekommen.
Tut Buße und glaubt an das Evangelium."
(aus Markus Kapitel 1, Vers 5)
Beichten, Schuld eingestehen, bereuen und die Vergebung der Schuld – das klingt einfach und gut. Doch muss man nicht auch für seine Taten büßen? Ist Buße eine Strafe? Im christlichen Glauben zeigt der Gläubige durch die Buße, dass er sein Verhalten bereut. Schuld und Sünde sind Begriffe, die im Christentum häufig genannt werden. Damit ist vor allem gemeint, dass sich ein Mensch durch ein falsches Verhalten von Gott entfernt hat, zum Beispiel weil er sich nicht an die Zehn Gebote gehalten hat. Die Buße ist die Besinnung auf die christlichen Werte und der Weg zurück zu Gott.
Im Kirchenjahr finden wir Zeiten der gemeinsamen Buße wie die Fastenzeiten vor Ostern und im Advent. In der evangelischen Kirche findet am vorletzten Mittwoch des Monats November in den Kirchen ein Buß- und Bettag-Gottesdienst statt.
In diesem Gottesdienst erinnern sich die Gläubigen daran, was sie von Gott trennt und was sie falsch gemacht haben. Sie bitten um Vergebung und Versöhnung.
Buße ist im Christentum also keine Strafe, sondern eine Chance für den Neuanfang. |