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Der geheimnisvolle Laotse
Ohne aus der Tür zu gehen,
kann man die Welt erkennen.
Ohne aus dem Fenster zu blicken,
kann man des Himmels SINN erschauen.
Je weiter einer hinaus geht,
desto weniger wird sein Erkennen.
Also auch der Berufene:
Er wandert nicht und kommt doch ans Ziel.
Er sieht sich nicht um und vermag doch zu benennen.
Er handelt nicht und bringt doch zur Vollendung.
(aus dem Tao te king, Kapitel 47) |
Dabei heißt es doch „Reisen bildet sehr“. Das schrieb jedenfalls der große deutsche Philosoph Immanuel Kant, allerdings fast 2.000 Jahre später.
Überhaupt klingt das, was man über Laotse nachlesen kann, sehr geheimnisvoll und widersprüchlich – wie die Sprüche im Tao te king, dem heiligen Buch der Daoisten. Welches übrigens Laotse verfasst haben soll. |
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Der Erkennende redet nicht,
der Redende erkennt nicht.
(aus dem Tao te king, Kapitel 56)
So rätselhaft wie dieser Spruch ist auch die Person des Laotse. Hat er im 6. Jahrhundert vor Christus zusammen mit Konfuzius und Buddha gelebt? Hat er den einen oder den anderen sogar getroffen? Der Legende nach kam es zu einem Zusammentreffen mit Konfuzius am Hofe des Königs Zhou. Bei dieser Gelegenheit soll Laotse dem 50 Jahre jüngeren Konfuzius ordentlich gerügt haben. Die Lehren von den alten Riten und Hierarchien sollen dem Älteren sehr missfallen haben.
Es ist nur merkwürdig, dass in alten chinesischen Schriften ein Laotse erst um das Jahr 250 vor Christus erwähnt wird. Zu diesem Zeitpunkt war Konfuzius bereits seit über 200 Jahren tot. Hatten die Anhänger des Daoismus nur einen Laotse als Gegengewicht zum bedeutenden Konfuzius erfunden? Oder wurde aus einem Lao Dan, einem Lehrer, ein Lao Tse, „ein alter Meister“, wie sein Name auch übersetzt werden kann? Dieser Lehrer könnte dann auch eine Erfindung der Konfuzianer gewesen sein. Oder steckt hinter dem viel zitierten Gelehrten, ein Geschichtsschreiber, der rund 130 Jahre nach Konfuzius am Königshof Zhou arbeitete und der in den „Aufzeichnungen des Chronisten“ Sima Qian im 1. Jahrhundert vor Christus erwähnt wird?
Fragen über Fragen, doch das Rätsel um den Gelehrten Laotse konnte die Wissenschaft bis zum heutigen Tag nicht lösen. Daher werden wir ihn auch weiterhin im Lexikon als „legendenhaften chinesischen Philosophen“ finden.
Das Buch Tao te king und die Volksreligion Daoismus sind jedoch Wirklichkeit.
Was stört es da den großen Geist, wer es geschrieben oder diese Religion gegründet hat?
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