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Konfuzius

Konfuzius

„Ich war fünfzehn, und mein Wille stand aufs Lernen, mit dreißig stand ich fest,
mit vierzig hatte ich keine Zweifel mehr,
 mit fünfzig war mir das Gesetz des Himmels kund,
mit sechzig war mein Ohr aufgetan,
mit siebzig konnte ich meines Herzens Wünschen folgen, ohne das Maß zu übertreten.“
(Konfuzius im Lunyu 2,4)

551 vor Christus wird in der heutigen Provinz Shandong ein Junge geboren, der den Namen Qui erhält. Seine Familie gehört zum Adelsgeschlecht der Kong und lebt im Fürstentum Lu. Kong Qui oder Konfuzius, wie ihn Jahrhunderte später Jesuitenmönche nennen werden, ist drei Jahre alt, als sein Vater stirbt. Seine Mutter muss ihn und seinen Bruder fortan in ärmlichen Verhältnissen großziehen.
Mit 15 Jahren ist Konfuzius Schüler an einer Adelsschule und erlernt dort die „Sechs Künste“: Lesen und Schreiben, Rechnen, Musik, Wagenlenken und Bogenschießen.

Die alten Schriften und Riten gehören ebenfalls zu seinem Stundenplan. Schon als kleines Kind haben ihn die Ahnenverehrung des alten China und die damit verbundenen Kulthandlungen fasziniert.  

Wenn ich zu Dreien gehe, so habe ich sicher einen Lehrer.
Ich suche ihr Gutes heraus und folge ihm, ihr Nichtgutes und verbessere es.
 (nach Konfuzius im Lunyu 7,21)

Konfuzius ist ein ehrgeiziger und strebsamer Schüler. Das Studium der alten Schriften und die uralten Traditionen haben es ihm besonders angetan; diese Leidenschaft wird ihn sein Leben lang begleiten. Bald übertrumpft er mit seinem Wissen sogar seine Lehrer. Mit 19 Jahren heiratet er und gründet mit 21 Jahren seine eigene Schule. Dort unterrichtet er sehr erfolgreich junge Schüler in den alten Riten, Traditionen und Schriften. Im Jahr 518 vor Christus erhält er den Auftrag, als Lehrer zweier junger Adeliger ins Fürstentum Dschou zu reisen. Er verbindet seine Tätigkeit als Lehrer mit der Vertiefung seiner Studien der ehrwürdigen Riten und der Musik.

Der Meister lehrte vier Gegenstände:
die Kunst, den Wandel, die Gewissenhaftigkeit, die Treue.
(Lunyu 7,24)

Konfuzius lebt in einer Zeit in der China aus einer Reihe von Kleinstaaten besteht, die miteinander um die Vormacht streiten. Es herrscht Chaos. In dieses Chaos will Konfuzius mit seiner Schule der Moral und des Anstandes Ordnung hineinbringen:
Das rechte und vorbildliche Verhalten der Menschen im Umgang miteinander, Tugenden wie Bescheidenheit, Sittsamkeit, Beherrschung der Begierden, die Achtung vor den Ahnen und den Riten sind die Pfeiler seiner Lehren.
Er hat feste Vorstellungen darüber, wie ein Staat zu regieren ist. Ein jeder hat in einem Staat seinen Platz. Es gibt fünf Beziehungen der Menschen zueinander, die das klären. Eine Stellung im Staat wird durch Erziehung, Fleiß und Wissen erworben, nicht durch die Geburt. Seine Lehren werden daher auch oft als Anleitung zum Regieren bezeichnet.

Seine Bemühungen als Beamter und sogar als Justizminister im Fürstentum Lu werden zwar tatsächlich von Erfolg gekrönt, sind aber nur von kurzer Dauer. Denn schon finden sich Neider, denen die von Konfuzius geschaffene Ordnung im gar nicht gefällt. Mit einer List gelingt es, am Fürstenhof einen unsittlichen Lebenswandel zu schaffen, der den Meister des „Weg des Edlen“ sehr enttäuscht. Er begibt sich auf eine dreizehnjährige Wanderschaft quer durch die Reiche, mit dem Bemühen seine Lehren in die Tat umzusetzen. Bis zu seinem Tod im Jahr 479 vor Christus soll er mehr als 3.000 Schüler unterrichtet haben, aber nur 72 erreichen den gleichen Rang als Gelehrte und Meister wie Konfuzius selbst.

Nach alter Sitte dauert die Trauerzeit für einen verstorbenen Angehörigen drei Jahre. In dieser Zeit schreiben seine Schüler die ersten Bücher, wie das Lunyu, in denen die Gespräche mit Konfuzius festgehalten werden.

Mit der Gründung der Han-Dynastie im Jahre 206 vor Christus wird der Konfuzianismus zunächst Staatsgesinnung und später zur Staatsreligion.
Zu Ehren des großen Meisters werden Schreine und Tempel gebaut, konfuzianische Zeremonien durchgeführt, Opfer dargebracht und Lehrstühle für Gelehrte eingerichtet. Als das kaiserliche China im 20. Jahrhundert untergeht, wird Konfuzius endgültig in den Rang eines Gottes erhoben. Mit der Gründung der Volksrepublik China verschwindet der gelebte Konfuzianismus in der Versenkung, aus der er heute aber langsam wieder emporsteigt. 1995 erklärt Südkorea den Konfuzianismus zur Religion, dort allein leben über 10 Millionen Anhänger. Auch in Ländern wie Japan, Taiwan und Singapur hat Konfuzius die Kulturen und Menschen über die Jahrhunderte geprägt.

Ich bin nicht geboren mit der Kenntnis der Wahrheit.
Ich liebe das Altertum
und bin ernst im Streben nach ihr.“
(nach Konfuzius im Lunyu 7,19)

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