Es ist ein Leben in Wohlstand und voller Annehmlichkeiten. Der Prinz soll eines Tages die Herrschaft seines Vaters übernehmen und ein starker Krieger werden. Im Alter von 16 Jahren heiratet Siddharta seine Cousine Yashodhara.
Siddharta hätte dieses sorglose, glückliche Leben durchaus vermutlich bis an sein Lebensende weiterführen können, wenn er nicht im Alter von 29 Jahren auf die Idee gekommen wäre, hinter die Mauern des Palastes schauen zu wollen. Was er dort bei seinen Ausflügen sieht, bringt sein gesamtes bisherige Leben durcheinander.
Siddharta begreift beim Anblick eines alten Mannes, eines Kranken und eines Leichenzuges: Jugend vergeht, alle Menschen werden krank und alt. Jeder muss eines Tages sterben und dabei spielt es keine Rolle, ob jemand arm oder reich ist.
Plötzlich erscheint ihm sein eigenes Leben im Überfluss und hinter den geschützten Mauern des Palastes, nutzlos und ohne Sinn.
„Wenn ich eines Tages sterbe, was zählt dann alles das, was mir jetzt wichtig erscheint?“ Dieser Gedanke lässt ihn von nun an nicht mehr los. Als er bei einem seiner Ausflüge einen Mönch trifft, ist er von der bescheidenen und würdigen Erscheinung des Mannes so beeindruckt, dass er beschließt seine Familie zu verlassen, um als Bettler ohne Hab und Gut nach der Erlösung zu suchen. Selbst die Geburt seines Sohnes Rahula bringt Siddharta nicht von seinem Vorhaben ab.
Nun lebt er die Kehrseite des Wohlstandes, verzichtet auf Obdach, Essen und Trinken. Er führt Gespräche mit vielen Mönchen und Philosophen. Doch er muss feststellen, dass ihm auch dieses Leben keinen Frieden und die Erlösung schenkt.
Mit 35 Jahren ist er müde von der langen Reise und der erfolglosen Suche. Er findet einen Platz unter einem Feigenbaum und beschließt diesen Platz nicht eher zu verlassen, bis er die Erleuchtung erlangt hat. Tief in sich selbst versunken, forscht und durchsucht sein Innerstes nach den Antworten auf die vielen Fragen, die ihn nicht zur Ruhe kommen lassen.
Nun, wir wissen nicht, wie lange er dort unter diesem Baum gesessen hat.
Aber es muss einen Moment gegeben haben, wo ihm im wahrsten Sinne des Wortes „ein Licht aufgegangen“ ist. Siddharta selbst nennt es die Erleuchtung. Er erkennt in seiner tiefen Versenkung die „Vier Edlen Wahrheiten“ des Lebens.
Aus Siddharta ist ein Buddha geworden.
Seine Lehre ist einfach: Jeder Mensch muss die Wahrheit für sich allein finden, denn jeder ist für sich und sein Handeln selbst verantwortlich. Den Schlüssel zur Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten trägt jeder Mensch in sich.
Die Lehren Buddhas sind nur Wegweiser, um die Ausgangstür ins Nirwana zu finden.
Buddha zieht 45 Jahre lang predigend und lehrend durch Nordindien. Er gründet einen Mönchsorden und stirbt im Alter von 80 Jahren vermutlich an einer Lebensmittelvergiftung.
Man sagt, Buddha sei in das Nirwana, von dem er immer erzählt hat, aufgegangen.
Ich bin der Allesüberwinder,
der Allwissende,
Ich hafte nicht mehr an den Dingen.
Ich habe alles aufgegeben,
bin befreit durch die Vernichtung der Begierden.
Dieses habe ich selbst erkannt,
für wen sollte ich es sonst getan haben?
Für mich gibt es keinen Lehrer,
es gibt keinen, der mir gleicht;
nicht in der Götterwelt,
nicht in dieser Welt
ist einer mir ebenbürtig;
ich bin der Heilige in der Welt,
ich bin der unübertroffene Führer,
ich bin der einzige vollkommen Erwachte,
kalt geworden bin ich, erloschen.
Ich gehe zur Stadt Kāsi, um das Rad der Lehre in Bewegung zu setzen.
In der blind gewordenen Welt schlage ich die Trommel der Unsterblichkeit.
(nach dem Mahāvagga, MV.I.1.6 ) |