Pferdeprinzessinnen gibt es nicht nur in der Manege, sie sind auch in fast jedem Reitverein zu finden. Gemeint sind die Kinder und Jugendlichen, die einer Voltigiergruppe angehören. Das Wort „voltigieren“ leitet sich von dem französischen Verb „voltiger“ ab und heißt übersetzt „Schwünge oder Sprünge ausführen, herumflattern“. Mit „Herumflatterei“ haben die gymnastischen Übungen auf dem Pferderücken allerdings nichts zu tun, ganz abgesehen davon, dass ein Voltigierpferd in der Regel ein Stockmaß von 1,70 m bis 1,85 m hat.
Voltigieren ist vielmehr eine Mischung aus Ballett, Akrobatik und Kunstturnen. Dagegen wird beim Aufsprung, der Schere, der Mühle und den vielen anderen Übungen tatsächlich ordentlich geschwungen und gesprungen. Manchmal turnen bis zu drei Kinder auf einem Pferd und zeigen elegante bis sportliche Übungen von der Fahne bis zum Schulterstand. Mit allen Übungen werden Gleichgewicht, Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer der Mädchen und Jungen trainiert. Die Arbeit mit und auf dem galoppierenden Pferd stärkt das Selbstbewusstsein ungemein und fördert gleichzeitig das Verantwortungsgefühl der Kinder. Für viele ist das Voltigieren der Einstieg in den Reitsport, daher bieten fast alle Reitschulen und Reitvereine auch Voltigierstunden an.
Voltigierpferde sind speziell für diese Pferdesportart ausgebildete Tiere. Sie sind brav, sanft, gutmütig und geduldig. Schließlich müssen sie so einige versehentliche Knüffen der Kinder aushalten. Ein Vollblüter eignet sich daher weniger für die langwierige Ausbildung zum Voltigierpferd. Dafür eignen sich Haflinger, vor allem wegen ihrer Größe, für jüngere Voltigierer umso mehr. Der dänische Knabstrupper wird oft wegen seiner Gelehrigkeit für diese Arbeit geschätzt und eingesetzt. Während des Voltigierens wird das Pferd von einer Voltigierlehrerin oder -lehrer an der Longe, einer langen Reitleine, im Kreis geführt. Für die Übungen trägt das Pferd einen speziellen Rückengurt mit zwei Haltegriffen und zwei Fußschlaufen für die Voltigierer.
Obwohl das Voltigieren unter dem Namen „Kunstreisten“ bereits 1920 eine olympische Disziplin war, ist diese Sportart nicht sehr bekannt im Vergleich zu den anderen Reitsportarten. Regional, national und international gibt es Turniere und Meisterschaften im Einzel-, Doppel- und Gruppenvoltigieren. In einem Wettkampf werden Pflicht- und Kürübungen vor einer Jury gezeigt.
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