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Igel-Spezial
Der Igel

Der Igel

Igel sind Säugetiere. Wie Spitzmäuse und Maulwürfe gehören sie zu den Insektenfressern. Unsere heimischen Igel jagen Raupen, Käfer, Schnecken und andere kleine Tiere. Ihr Fellkleid ist von der Stirn über den gesamten Rücken mit Stacheln besetzt. Am Kopf und am Unterbauch sind die Haare borstenartig. Fühlt sich ein Stacheligel bedroht, rollt er sich zu einer Kugel zusammen. Igel können sehr gut hören und riechen.

Im Sommer sind sie in der Dämmerung und in der Nacht auf Nahrungssuche. Im Winter halten sie fünf Monate lang einen Winterschlaf.

Igel ist nicht gleich Igel

Weltweit gibt es etwa zwanzig verschiedene Igelarten. Zu ihnen gehören zwei Familien: die Stacheligel und die Haar- oder Rattenigel.
Der Braunbrustigel und der Weißbrustigel zählen zusammen mit 13 weiteren Arten zu den Stacheligeln. Sie leben vor allem in Europa, Asien und Afrika. Trotz ihrer 9.000 bis 16.000 spitzen, harten und bis zu mehreren Zentimetern langen Stacheln sind Igel keine Stachelhäuter. Stachelhäuter sind Meeresbewohner wie der Seeigel.

Alle Stacheligel besitzen die einzigartige Fähigkeit, ihren Körper einzurollen und die Stacheln bei Gefahr wie kleine Lanzen aufzurichten. Das geschieht durch das Zusammenspiel verschiedener Muskeln auf dem Rücken. Dazu gehört ein dicker Ringmuskel unter der Haut, mit dessen Hilfe sich der Igel zusammenrollt und die Stacheln aufstellt.

Igel aus der Urzeit

Haar- oder Rattenigel gab es bereits in der Urzeit. Vor 65 Millionen Jahren lebten diese Igel in Nordamerika. Heute findet man die rattenähnlichen Kleinsäuger nur noch in Südostasien. Ihr Stachelkleid ist weich und dicht. Mit dem langen behaarten Schwanz und dem schlanken Körper ähneln sie großen Nagetieren. Der Große Haarigel kann immerhin bis zu 46 cm groß und bis zu zwei Kilogramm schwer werden. Seine Fell ist schwarz mit einer schwarz-weißen Fellzeichnung an Kopf und Schulter.

Trotz ihres sehr unterschiedlichen Aussehens haben Stacheligel und Haar- oder Rattenigel viele Gemeinsamkeiten: Sie haben einen ausgeprägten Geruchssinn mit dem sie sich orientieren und auf Nahrungssuche gehen. Wie alle Insektenfresser jagen sie ihre Beute überwiegend anhand des Geruchs.

Für Schlauwebbis – das Jacobson-Organ
Igel besitzen im Rachenraum zwischen Nasen- und Mundhöhle ein „zweites Riechorgan“. Es wurde im 19. Jahrhundert nach dem Dänen Ludwig Levin Jacobson benannt. Der Mediziner hatte das Geruchs- und Witterungsorgan bei Säugetieren wiederentdeckt. Mittlerweile weiß man, dass auch Vögel, Amphibien und Reptilien ein Jacobson-Organ haben. Sogar in unseren Nasen sitzt ein zurückgebildetes Überbleibsel dieses erstaunlichen Körperteils. Sollte dir ein spuckender, sabbernder Igel begegnen, dann reinigt er gerade sein Jacobson-Organ für die nächste Duftrunde. Katzen und Pferde hingegen „flehmen“, um in der Paarungszeit Düfte über das Sinnesorgan aufzunehmen und sogar zu schmecken. Dazu stülpen sie die Oberlippe über die Zähne, ziehen die Nase kraus und wittern mit nach vorn gerecktem Kopf. Lurche, Schlangen und Echsen nehmen stattdessen über das Züngeln mit ihren langen Zungen Duftstoffe auf. Das Jacobson-Organ liegt bei ihnen unter dem Gaumen.

Neben einer Supernase haben Igel ein ausgezeichnetes Gehör und einen hervorragenden Orientierungssinn. Dagegen ist ihr Sehsinn wie bei allen nachtaktiven Tieren nur sehr gering ausgeprägt.

Unsere Igel – die Braunbrustigel

Als nützlicher Schädlingsvertilger sind Stacheligel sehr beliebt. Engerlinge , Raupen , Käfer und vor allem Schnecken gehören zu bevorzugten Nahrung. Bevor es ins Winterquartier geht, fressen sich Igel im Herbst ein ordentliches Fettpolster an. Dann steht auch das überreife Fallobst auf dem Speiseplan. Im Sommer wiegt ein ausgewachsener Braunbrustigel etwa 700 g bei einer Körperlänge von 30 cm. Bevor er in den Winterschlaf fällt, hat er zwischen 300 und 800 g zugenommen. Schließlich dauert der Winterschlaf in unseren Breiten je nach Witterung von Ende Oktober bis Ende März.

Für Schlauwebbis – Überwinterung
Es gibt Tiere wie der Igel, der Siebenschläfer oder Fledermäuse, die den Winter einfach verschlafen. Sie senken ihre Körpertemperatur ganz stark und dadurch verlangsamt sich ihr Herzschlag. Zwischendurch werden sie kurzzeitig wach, aber nur für den Toilettengang, gefressen wird dann nichts. Frösche, Fische und Insekten überwintern in dem sie in eine Starre fallen und erst im Frühling wieder aufwachen. Eine Winterruhe halten dagegen Tiere wie Eichhörnchen, Waschbären oder Dachse. Auch sie senken ihre Körpertemperatur ab, wachen aber zwischendurch auf und gehen dann auf Nahrungssuche.

Zwischen April und Juni befinden sich die Igel auf Partnersuche. Es beginnt die einzige Zeit des Jahres, in der aus Einzelgängern ein Familienverband wird. Fünf bis sechs Wochen nach der Paarung wirft ein Igelweibchen zwei bis sieben Junge. Wenn die kleinen Igel zur Welt kommen, sind sie blind und taub. Sie haben bereits weiße, biegsame Stacheln, die in einem Hautpolster geschützt, auf dem Rücken anliegen.
Bereits 24 Stunden nach der Geburt ragen die Stacheln ein paar Millimeter aus der Haut heraus. Drei bis vier Tage später fallen diese ersten Babystacheln aus und es wachsen dunklere und härtere Stacheln nach. Erst mit einem zweiten Wechsel erscheinen die typischen Stacheln mit dem hellen Ansatz, der dunklen Mitte und den fast weißen Spitzen. Im Alter von drei Wochen öffnen die Jungtiere ihre Augen und Ohren. Schon eine Woche später machen sie mit der Igelmutter den ersten kleinen Ausflug. Nach weiteren sechs Wochen erkunden sie eigenständig ihre Umgebung. Den nahenden Winter könnten die jungen Igel zwar schon allein verbringen, aber meistens halten sie ihren ersten Winterschlaf gemeinsam mit der Igelmutter in einem Unterschlupf.

Ein Igel kann bis zu sieben Jahre alt werden, die meisten von ihnen leben jedoch nur zwei bis vier Jahre. Dabei ist der Igel ein besonders widerstandsfähiges Tier, dem weder Bienen- noch Wespengifte etwas anhaben können. Natürliche Feinde besitzt er aufgrund seiner stacheligen Abwehr nur Nachtgreifer wie der Uhu oder die Eule. Aber der Mensch greift in das Leben des Kleinsäugers ein. Die natürlichen Lebensräume an Waldrändern, in Büschen und Hecken werden durch Umweltverschmutzung, Klimawandel,Bebauung und Landwirtschaft zerstört. Daher finden immer weniger Igel ausreichend Nahrung und einen geeigneten Platz für den Winterschlaf. Oftmals weichen die Tiere in Gärten aus, doch auch dort werden sie durch den Winterputz vieler Gärtner aufgescheucht und vertrieben. Reisig – oder Laubhaufen, ausgehöhlte Baumstämme und Schlupflöcher in Holzzäunen sehen vielleicht unordentlich aus, helfen aber vielen Tieren durch den Winter. Zudem werden jedes Jahr Tausende Igel überfahren, wenn sie in der Dämmerung und in der Nacht Straßen überqueren. Im Scheinwerferlicht eines heranfahrenden Autos rollt sich ein Igel auf der Fahrbahn zusammen, statt zu flüchten.

Igel als Haustier?

Der Braunbrustigel benötigt zwar gelegentlich unsere Hilfe, aber er ist ein Wildtier. Er steht seit 1936 unter Naturschutz und gehört seit 2002 zu den besonders geschützten Wildtierarten. Das heißt, er darf weder gefangen oder getötet werden, noch darf man sein Winterquartier zerstören. Das Bundesnaturschutzgesetz und das Tierschutzgesetz erlauben nur die vorübergehende Aufnahme eines hilflosen und kranken Igels. Wer ein solches Tier aufnimmt, muss sich genau an die Vorschriften halten.

Eine ausführliche Erste-Hilfe-Anleitung für hilflose und kranke Igel findest du hier. http://www.kidsweb.de/tiere/igel.htm

Afrikanische Weißbrustigel werden dagegen schon lange gezüchtet. In Deutschland werden diese Igel seit rund fünfzehn Jahren als exotische Haustiere gehalten. Ein Igelhalter muss besonders viel über die Biologie, Haltung, Pflege und Ernährung dieser Tiere wissen. Als Haustiere für Kinder sind die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere nicht geeignet.

Text: Nicole Potthoff

       
 

 

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