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Kidsweb-Geschichte-Kiste

Lea und der Mathepunkt

Lea und der Brandstifter

Mein Name ist Ben, Ben Küchenmeister. Ich wohne in einer kleinen Stadt im Land Brandenburg. Die Pferdezucht hat hier eine lange und berühmte Tradition. Man spricht auch vom Pferdeland Brandenburg. Zum Reiten gibt es viele Sandwege und weite Felder. Auf großen Wiesenflächen ist für Pferde jede Menge Platz. So eine Pferdewiese spielt eine wichtige Rolle in meiner Geschichte, aber dazu später mehr.

Lukas, Max, Hannes, Matze, Lea und ich haben eine große Leidenschaft:
Die Haflingerponys Eddie, Smokie und Sunny unserer Nachbarin Frau Morgenrot.
Ihr Pferdestall und die große Koppel liegen direkt neben unserem Wohngebiet. Wir sind oft bei der Pferdewiese und helfen beim Füttern und der Pflege der Tiere. Frau Morgenrot hat an vielen Stellen des Zaunes Schilder mit der Aufschrift „Bitte nicht füttern!“ angebracht, damit niemand etwas füttert, was den Pferden schaden könnte. Es ist lustig den dreien zu zusehen, wie sie über die Wiese galoppieren oder miteinander spielen. Lea hat das Glück, dass sie von ihrem Zimmerfenster aus den Stall und fast die ganze Wiese überblicken kann.

Eines Tages kam Max völlig aufgelöst zu uns gerannt. „Schnell, einer von euch muss zu Frau Morgenrot laufen! Smokie ist schweißgebadet und läuft unruhig am Zaun auf und ab. Er scheint Schmerzen zu haben!“ Lea stürzte sofort los. Matze, Lukas, Hannes und ich liefen zur Weide, um dort auf Frau Morgenrot zu warten. Als wir dort ankamen, wälzte sich Smokie am Boden. Im nächsten Moment sprang er auf, aber eine Minute später lag er wieder auf der Erde. „Was ist denn bloß los mit ihm?“, ich hatte ein mulmiges Gefühl im Bauch. „Es sieht so aus, als hätte er eine Pferdekolik. Seht mal, dort liegen überall rohe Kartoffeln herum. Die muss Smokie gefressen haben“, meinte Lukas. „Pferde..., was?“, fragte Hannes. „Na, der hat 'nen Pups quersitzen“, griente Matze. „Das ist nicht witzig, Matze, Pferde können an einer Kolik sterben!“, ranzte ihn Lukas an. „Ach, unser Professor Lukas, kennt sich mal wieder aus!“ „Nun hört doch auf zu streiten! Da kommen Lea und Frau Morgenrot.“

Wie sich später herausstellte, hatte Smokie tatsächlich einige Kartoffeln gefressen. Davon hatte er so starke Bauchschmerzen bekommen, dass sogar der Tierarzt kommen musste, um ihm eine Spritze gegen die Krämpfe zu geben. Eddie und Sunny hatten die Kartoffeln offenbar nicht geschmeckt, denn die beiden waren gesund und munter. Frau Morgenrot hatte sich fürchterlich geärgert nicht nur wegen der ganzen Aufregung um Smokie, sondern auch wegen der Tierarztrechnung. „Ich verstehe das nicht, überall habe ich Schilder angebracht. Trotzdem wirft jemand Kartoffeln auf die Koppel. Ausgerechnet Kartoffeln! Das sind falsche Tierfreunde, die ohne Sinn und Verstand füttern! Nur gut, dass Max so schnell reagiert hat, wer weiß, was noch alles passiert wäre.“ Noch glaubten wir alle an ein Versehen.

Jedenfalls so lange bis ich an einem Morgen vor der Schule für meine Mutter die Zeitung aus dem Briefkasten holen sollte. Noch etwas verschlafen öffnete ich die Haustür. Mit einem Mal war ich hellwach und traute meinen Augen kaum: Auf der kleinen Wiese vor unserer Haustür standen seelenruhig grasend Eddie, Smokie und Sunny. So leise und vorsichtig wie möglich, ging ich zurück ins Haus. „Ben, wo ist die Zeitung?“, fragte meine Mutter. Ohne die Frage zu beantworten, sagte ich: „Die Pferde stehen vor der Tür.“ „Aha! Natürlich stehen die Pferde vor unserer Tür. Sie lesen vermutlich gerade unsere Zeitung. Ben, Ben, Ben, dir fällt auch immer etwas anderes ein.“ Während meine Mutter redete, hatte sie bereits die Haustür geöffnet, um selbst die Zeitung zu holen. „Heute ist nicht der 1. A... Ach du meine Güte, die Pferde stehen vor der Tür!“ Vor Schreck knallte sie die Tür gleich wieder zu. Aber das war ein Fehler, aufgeschreckt durch das Geräusch, kam nun Bewegung in die drei Haflinger. Sie trabten auf den Gehweg Richtung Straße. „Ben, lauf’ schnell zu Frau Morgenrot, damit sie die Tiere wieder einfängt, bevor noch ein Unglück geschieht! Vielleicht kann ich die drei mit ein paar Möhren und Zuckerstückchen so lange aufhalten.“ Ich wusste genau, was sie meinte, denn nicht weit von uns entfernt verlief eine Umgehungsstraße. Wenn die Pferde auf die stark befahrene Straße laufen würden …
Ich wollte nicht weiter darüber nachdenken und lief so schnell ich konnte hinüber zu Frau Morgenrot.

Es war noch einmal gut gegangen. Aber nachdem was uns Frau Morgenrot anschließend erzählte, gab es keinen Zweifel mehr daran, dass jemand den Pferden schaden wollte. Die Koppel grenzt ebenfalls an die Umgehungstrasse und genau an dieser Stelle war der Zaun niedergedrückt worden. Mit Zuckerstückchen waren die Pferde offensichtlich an diese Stelle gelockt und freigelassen worden.
Zum Glück waren sie jedoch nicht auf die Straße gelaufen, sondern auf dem angrenzenden Radweg geblieben und bis zu einem Fußweg getrabt, der direkt in unser Wohngebiet führte. „Ich glaube, dass beide Vorfälle miteinander zu tun haben“, meinte Lea. „Aber wer soll so kaltblütig sein nicht nur die Pferde, sondern auch Menschen in große Gefahr zu bringen?“, fragte Hannes entsetzt. „Nicht wer, sondern warum ist hier die Frage“, entgegnete ich. Alle nickten zustimmend. Frau Morgenrot wurde sehr nachdenklich. „Ben, du hast Recht. Das Warum ist entscheidend und ich glaube, ich kenne die Antwort. Vor einiger Zeit habe ich ein Schreiben bekommen, dass mein Verpächter die Pferdewiese an einen gewissen Herrn Mariano Speck verkauft hat. Es hat mich nicht weiter interessiert, denn schließlich läuft mein Pachtvertrag über 10 Jahre. Dabei ist es egal, wem das Grundstück gehört. Kurze Zeit später erhielt ich einen Brief von diesem Herrn Speck. Darin fragte er an, ob ich bereit sei, den Pachtvertrag zu kündigen. Unterschrieben hat er den Brief als Geschäftsführer der Immo-Mario GmbH. Ich habe ihn angerufen und ihm gesagt, dass er von mir keine Kündigung bekommt. Daraufhin wurde er am Telefon etwas ungehalten, aber ich habe mir nichts weiter dabei gedacht.“ „Immo-Mario, das hört sich an wie eine Immobiliengesellschaft“, Max runzelte die Stirn, „und womit handeln Immobiliengesellschaften?“ „Mit Grundstücken!“, riefen wir wie aus einem Mund. „Gut möglich, dass er das Grundstück als Gewerbefläche verpachten will. So nah an der Umgehungsstraße ist das keine schlechte Idee.“ „Vor allem ist das eine gewinnbringende Idee“, sagte Hannes. „Wenn da nur nicht Pferde auf dem Grundstück stehen würden“, ergänzte Matze. „Wäre es zu einem Unfall gekommen, hätte die Stadt die Pferdehaltung in der Nähe der Umgehungsstraße vielleicht sogar verboten“, spekulierte Lea. „Vorausgesetzt die Tiere hätten überlebt“, sagte ich. Betroffenheit breitete sich aus. Wir schwiegen eine ganze Weile. „Sie müssen diesen Mariano Speck anzeigen, Frau Morgenrot!“ Lea hatte vor Aufregung rote Flecken im Gesicht. „Ich habe nichts gegen diesen Herrn in der Hand. Es sind alles nur Vermutungen. Die Polizei hat den Zaun und die Umgebung untersucht. Die Ermittlungen laufen weiter und ich habe eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet.“ „Wenn es dieser Speck aber doch war, wird er es noch einmal versuchen, denn seine Rechnung ist nicht aufgegangen“, Max dachte laut nach, „wir müssen ihn auf frischer Tat ertappen!“

Das Detektivfieber hatte uns erfasst, aber Frau Morgenrot bremste unseren Tatendrang gehörig: „Nein, nein, so geht das nicht! Erstens haben wir keinerlei Beweise, dass Herr Speck tatsächlich irgendetwas mit der Pferdewiese plant. Zweitens, nur einmal angenommen er steckt dahinter, wäre es viel zu gefährlich, wenn ihr euch einmischen würdet. Wir werden wachsam bleiben und zweimal täglich den Zaun kontrollieren.“

Die Enttäuschung stand uns ins Gesicht geschrieben, aber Frau Morgenrot ließ sich nicht beirren. Die nächsten vierzehn Tage liefen wir zweimal täglich jeweils zu zweit die gesamte Koppel ab. Wir dachten schon unsere Fantasie sei mit uns durchgegangen, bis zu der Nacht in der Lea die Heldin unserer Straße wurde.

Lea hatte in dieser Nacht schon geschlafen, als sie plötzlich von einem Geräusch geweckt wurde. Sie konnte später nicht sagen, was es gewesen war. Sie stand auf, um aus dem Fenster zu schauen. Draußen war es stockdunkel. Sie wollte schon wieder zurück in ihr Bett, als sie einen kleinen Lichtschein in Höhe des Pferdestalls wahrnahm. Angestrengt blickte sie in die Richtung aus der sie den Lichtschein vermutete. Da! Da war doch etwas, eine Bewegung. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit. Sie erkannte eine Gestalt, die offenbar zwei schwere Gegenstände schleppte. Sie sahen aus wie - Lea stockte der Atem –
Benzinkanister. „Da will einer den Stall anzünden“, schoss es ihr durch Kopf. Ihr Herz hämmerte wie wild. Was sollte sie tun? 110 – 110 – 110 Lea rannte hinunter zum Telefon und wählte den Polizeinotruf. „Sie müssen schnell kommen, an der Engelsschanze versucht jemand einen Pferdestall in Brand zu setzen, ich heiße Lea, Lea Ritter und wohne in der Uhlandstraße 10. Bitte beeilen Sie sich!“, sie schrie fast in den Hörer und war den Tränen nahe. Mittlerweile waren auch Ihre Eltern vom Lärm geweckt worden. Sie versuchten Lea zu trösten und bangten mit ihr, dass die Polizei rechtzeitig am Stall eintreffen würde. Plötzlich klingelte es an der Wohnungstür. Zwei Polizeibeamte stellten sich als Wachtmeister Meier und Wachtmeister Steffen vor: „Wohnt hier eine Frau Lea Ritter?“ „Ja“, schluchzte Lea, „das bin ich.“ „Gratuliere junge Dame, durch deine schnelle Reaktion konnten wir eine Brandstiftung in letzter Sekunde verhindern.“

Am übernächsten Tag stand ein großer Artikel mit der Überschrift  „Junge Heldin rettet Pferde vor grausamen Feuertod“ in der Tageszeitung. Frau Morgenrot hatte uns mittlerweile berichtet, was die Kriminalpolizei herausgefunden hatte: Der Brandstifter war ein junger Mann aus unserer Gegend. Er hatte noch in derselben Nacht im Verhör zugegeben, dass Mariano Speck ihn angestiftet hatte, den Stall von Frau Morgenrot niederzubrennen. Dafür sollte er 5.000 € erhalten, genauso viel wie  bei einer anderen Brandstiftung vor einem Jahr. Mit dieser Aussage konnte Mariano Speck überführt und festgenommen werden. Er war für die Polizei kein Unbekannter. Im Jahr zuvor war hatte man ihn verdächtigt, einen Brand gelegt zu haben, um eine staatliche Versicherungssumme zu kassieren. Leider hatten die Polizisten ihm nichts nachweisen können. Jetzt gestand er sofort der Anstifter beider Vorfälle gewesen zu sein. Der Kartoffelanschlag und die Freilassung der Pferde gingen ebenfalls auf sein Konto. Beide Männer saßen nun in Untersuchungshaft und warteten auf die Gerichtsverhandlung.

„Er wollte mich als Pächterin des Grundstücks loswerden, um es an einen Tankstellenkonzern zu verkaufen. Damit hätte er eine Menge Geld verdient“, erklärte uns Frau Morgenrot. Hannes schüttelte verständnislos den Kopf. „Unglaublich, wozu Menschen aus lauter Habgier fähig sind.“ „Ich habe nur noch nicht verstanden, wie die Polizei so schnell am Stall sein konnte. Es sieht ja fast so aus, als seien sie schon in der Nähe gewesen“, meinte Lukas. „Stimmt genau, nach der Geschichte mit dem runtergedrückten Zaun sind die Beamten in dieser Gegend verstärkt Streife gefahren. Deshalb waren sie keine zwei Minuten vom Stall entfernt, als sie per Funk informiert wurden“, sagte Frau Morgenrot.
„Jedenfalls ist Lea die Heldin unserer Straße!“ Matze knuffte Lea freundschaftlich in die Seite. „Darauf kannste ruhig mal einen ausgeben.“ „Nichts da“, schaltete sich Frau Morgenrot ein, „eine Runde Eisbecher geht auf meine Rechnung und Lea erhält von mir kostenlos Reitunterricht auf Eddie, wenn sie mag.“ Lea war zunächst sprachlos, dann brach sie in Jubel aus. „Klaro, will ich! Damit erfüllen Sie mir meinen allerheimlichsten Wunsch!“

Am Abend saßen wir sechs an der Pferdekoppel. „Auf der einen Seite finde ich es ja echt gut, dass wir den richtigen Riecher hatten. Andererseits hätte die Sache für uns Möchtegern-Sheriffs auch ziemlich gefährlich werden können. Dieser Speck hatte überhaupt keine Skrupel, wenn ich an ihn denke, bekomme ich Gänsehaut.“ Lea zog fröstelnd ihre Schultern hoch. „Aber wenn wir ihn gemeinsam gestellt hätten, dürften wir Jungs jetzt auch reiten lernen“, meckerte Matze. „Du kommst ja im Sportunterricht noch nicht einmal übers Turnpferd“, spottete ich, „Du hängst bestimmt wie ein nasser Sack auf dem armen Pferd.“ „Und du wie ein Schluck Wasser in der Kurve!“ „Nö, wie ein Fisch auf dem Fahrrad.“ Bei dieser Vorstellung mussten wir alle lachen.

Ob wir am Ende alle bei Frau Morgenrot reiten lernen und welche Strafen die beiden Übeltäter bekommen haben, ist eine andere Geschichte, aber vielleicht wisst ihr es auch schon.

 

 

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