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Gesegnete Weihnachten

Im Wolkenschloss herrscht große Aufregung. Aus allen Richtungen fliegen die kleinen und großen Engel in den Festsaal. Das Christkind, die Weihnachtsfee und die drei kleinen Kobolde Tomtebisse, Tomte und Nisse sind auch bereits da. „Platz da für den Weihnachtsmann!“, schreit der kleine Engel Krakael und fliegt mit großer Geschwindigkeit und hochrotem Köpfchen auf Rednose, dem Rentier mit der roten Nase, in den Saal. Dicht hinter ihm sind schon die acht Rentiere mit dem Schlitten und dem Weihnachtsmann.

„Hoho, frohe Weihnachten wünsche ich euch allen“, seine tiefe Stimme schallt durch den Raum, „bringt den Rentieren Futter, damit sie sich sattfressen können vor der langen Fahrt!“ Er winkt drei Engel herbei und überreicht ihnen die Zügel. „Aber vite, vite, gleich wird kommen der ERR!“, ruft die Weihnachtsfee den davonfliegenden Engeln hinterher. „Immer mit der Ruhe, Madame. Sind denn überhaupt schon alle da?“, prüfend blickt sich der Weihnachtsmann um. Dann senkt er ehrfürchtig seine Stimme: „Wann wird ER kommen?“ „ER muss jeden Augenblick erscheinen“, flüstert das Christkind. Wie jedes Jahr am Heiligen Abend haben sich alle Geschöpfe des Himmels im Wolkensaal versammelt. Sie werden in wenigen Minuten mit Gottes Segen auf die Erde fliegen, um den Menschen die Weihnachtsfreude zu bringen.

„Ruhe, bitte!“, wohlklingend ertönt die Stimme Gottes und im Saal wird es ganz still. So still, dass die Streiterei der drei kleinen Kobolde darüber, ob sie nachher zuerst nach Finnland, Schweden oder Dänemark fliegen sollen, besonders laut zu hören ist. „Ruhe, bitte! Das gilt auch für die roten Erdnuckel!“ Verschämt schweigen nun auch die drei Julnisser. „Nun, von drauß’ vom Wolkenfenster komm’ ich her und ich kann euch sagen, es weihnachtet auf Erden auch in diesem Jahr wieder sehr. Ihr werdet sehnsüchtig erwartet. Das himmlische Postamt hatte auch diesmal alle Hände voll zu tun, damit euch die vielen Wünsche der kleinen und großen Menschenkinder rechtzeitig erreichen. Habt vielen Dank, ihr Postengel! Wie wir alle wissen, können wir nicht jeden Wunsch erfüllen, denn was wäre ein Leben ohne Wunsch und Traum?“ „Stinklangweilig!“, rufen die drei Kobolde wie aus einem Mund, wobei nicht ganz klar ist, was sie eigentlich damit meinen. „Ganz richtig, ihr vorwitzigen Bodennippel! Wie ich hörte, ist die Generalprobe zum diesjährigen Weihnachtsfest recht gut verlaufen. Entschuldigt bitte meine Abwesenheit, aber ich hatte eine dringende Besprechung. Vielleicht kann mir Erzengel Gabriel kurz berichten, wo etwas verbessert werden sollte?“ Alle im Saal blicken sich nach dem Erzengel um. „Äh, lieber Vater, Gabriel ist gerade nicht da. Er ist – äh -  in … geheimer Mission unterwegs.“ Erzengel Michael schaut verlegen auf seine Flügelspitzen. „Ja, genau“, bestätigt Erzengel Raphael, “in besonders geheimer Mission!“ „So, so in geheimer Mission ist er also unterwegs.“ Der liebe Gott sieht etwas ratlos aus. „Sollte ich dann nicht derjenige sein, der ihn losgeschickt hat? Komisch, ich kann mich gar nicht erinnern …“ „Du kannst dich auf Gabriel verlassen, guter Vater, spätestens zur Verkündigung ist er wieder an seinem Platz“, versichert Michael schnell. „Ohne Engel Gabriel geht nix und das Fest fällt aus ganz fix“, feixen die drei Kobolde, was ihnen so manchen bösen Blick der anderen einbringt.

„Es wird schon alles seine Richtigkeit haben“, sagt der liebe Gott beschwichtigend. „Kommen wir nun zu euch anderen: Bitte haltet beim Abflug genügend Abstand, damit es nicht wieder zum Stau auf der Milchstraße kommt. Vergesst nicht, immer ein wenig Engelstaub in den Häusern zu hinterlassen! Außerdem bitte ich das Christkind und den Weihnachtsmann inständig, darauf zu achten, nicht wieder die zugewiesenen Familien zu verwechseln. Am letzten Heiligabend kam es deshalb zu Streitereien, weil ihr da wohl einiges durcheinandergebracht habt.“ „Wir dachten, das würde frischen Wind in die Angelegenheit bringen“, rechtfertigt sich das Christkind trotzig. Der liebe Gott schaut das himmlische Kind nachsichtig an: „Aber ihr wisst doch, wie wichtig es gerade den Erwachsenen ist, dass immer alles so bleibt, wie es ist.“ „Die Kinder fanden es ganz toll“, wirft der Weihnachtsmann ein. „Ja, so toll, dass einige schon gar nicht mehr an euch glauben wollten, bei dem Hin und Her! Das geht doch nicht, meine Lieben! Bei der Gelegenheit möchte ich dich, lieber Weihnachtsmann, auch daran erinnern, die Rentiere ordnungsgemäß zu parken. Es hat einige Beschwerden von den Luftgeistern gegeben, weil sich die Rentiere auf den Dächern und in den Vorgärten unmöglich benommen haben sollen.“ „So ganz genau weiß ich auch nicht, was damit gemeint sein könnte“, überlegt der Weihnachtsmann. „Ich gebe zu, dass ihr Benehmen, wenn es um das Futter geht, besser sein könnte.“ „Apfel, Nuss und Mandelkern frisst das Rentier gar zu gern. Und ist’s auch mal ne faule Nuss, dann gibt’s nen ordentlichen Schuss!“, reimen die Kobolde und halten sich ihre roten Bäuchlein vor Lachen, bis sie der Weihnachtsmann an ihren roten Zipfelmützchen zieht.

„Wie dem auch sei“, fährt der liebe Gott fort, „die Weihnachtsbotschaft lautet: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Diese Nachricht sollt ihr nun bis in die entlegensten Winkel dieser Erde bringen, auf dass die Weihnachtsfreude die Herzen der Menschen erleuchtet und wärmt. Daher sage ich euch: Gesegnete Weihnachten und guten Flug!“

 

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