Vögel zwitschern.
An Zweigen grüne Knospen.
All das bringt den Frühling.
Diese kürzeste Art ein Gedicht zu schreiben, stammt aus Japan. Vor über 500 Jahren schrieb der japanische Dichter und Zenmönch Matsuo Bashô die ersten Verse. Aber erst zweihundert Jahre später erhielt die Gedichtform den Namen Haiku. Im Zen, einer Glaubensrichtung des Buddhismus,wird mit dem Schreiben eines Haikus Achtsamkeit eingeübt. Dabei wird vor allem auf die Beschreibung von Naturereignissen Wert gelegt:
Abend im Herbst.
Auf einem dürren Ast
hockt eine Krähe.
Matsuo Bashô (1644-1694)
Ein japanisches Schriftzeichen beschreibt im Gegensatz zu einem Buchstaben eine Silbe. Dadurch enthält ein traditionelles Haiku fünf Schriftzeichen bzw. Silben in der ersten und dritten Zeile, während in der mittleren Zeile sieben Silben stehen. Das nennt man die 5-7-5 Regel. Moderne japanische oder deutsche Haikudichter halten sich vor allem an folgende Regel: Sie beschreiben über drei Zeilen ein Ereignis mit möglichst wenigen Worten.
Es regnet.
Die Tropfen fallen.
Der Tag ist grau.
Dass ein Haiku auch lustig sein kann, zeigen die Schülerinnen und Schüler der Regenbogenschule mit ihren Haikus über ihre Lieblingstiere. Du kannst sie hier nachlesen.
Für Schlauwebbis
Haiku oder Haikus? Wer im Duden nachschlägt, findet ein –s als Mehrzahl angehängt. Im Japanischen wird eine Mehrzahl jedoch nicht über eine Endung ausgedrückt. Daher kann man sowohl von zwei Haiku als auch von zwei Haikus sprechen. |
Text: Nicole Potthoff