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ABC-Reise

ABC – Eine Reise durch die Geschichte der Buchstaben

Am Anfang war das gesprochene Wort. Ereignisse, Nachrichten und Geschichten wurden von Mund zu Mund weitergegeben. Doch das gesprochene Wort ist wie der Wind, man kann es nicht einfangen. Das gesprochene Wort verändert sich sogar, je länger es zwischen den Menschen hin und her wandert.

So kann „aus einer Mücke ein Elefant“ werden und umgekehrt.

Um das zu verhindern und um das gesprochene Wort „festzuhalten“, dachten sich die Menschen Zeichen aus. Zunächst waren es Bilder, die Geschichten erzählten, Wissen weitergaben oder Bräuche überlieferten.

Was mit Höhlenmalereien, Kerben und eingeritzten Zeichen in Gegenständen begann, setzte sich als erste Schriften fort.

Es wurde auf Knochen, Stein, Holz, Metall, Leder, Blättern und Papyrus geritzt, gemeißelt, gedruckt und gemalt. Mit so genannten Piktogrammen, gemalten Bildchen, wurden Pflanzen, Tiere, Menschen und Gegenstände dargestellt. Mit einem abgebildeten Fuß brachte man zum Beispiel das Verb „gehen“ in Verbindung.
Fluchtweg Sogar in unserem Alltag spielen Piktogramme eine große Rolle:dieses Schild bedeutet Fluchtweg und findet sich in Kindergärten, in Schulen und in vielen anderen öffentlichen Gebäuden. Auch die Zeichen für Frau oder Mann sind Piktogramme und werden von allen Menschen verstanden, egal welche Sprache sie sprechen.

Die chinesischen und japanischen Schriftzeichen haben sich ebenso aus Piktogrammen entwickelt wie die Hieroglyphen der Ägypter, Maya und anderer Völker der vorchristlichen Geschichte. Hieroglyphen sind eine Mischung aus Bildern und Silbenzeichen.
 
Die Wiege unserer Schrift steht jedoch in Mesopotamien, dem Land zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris. Das Zweistromland, dessen größter Teil heute zum Irak gehört, war jahrtausendelang die Heimat der Sumerer. Sie haben vor etwa 5.500 Jahren nicht nur das Rad und die Töpferscheibe erfunden, sondern auch die Keilschrift.
Mit einem Griffel aus Schilfrohr oder Holz ritzten die Sumerer Bild-, Silben- und später Mitlautezeichen in Tontafeln, die anschließend gebrannt wurden. Der Griffel hinterließ im weichen Ton beim Einritzen eine Keilform, daher hat die Schrift ihren Namen. Sie wurde zur Aufstellung von Listen, Zahlenreihen und dem Erstellen von Urkunden benutzt. Romane und Gedichte wurden noch nicht in Keilschrift verfasst.

Das erste Alphabet, das aus 22 Mitlauten bestand, haben sich die Phönizier etwa 1.700 vor Christus ausgedacht. Vokale wurden zwar gesprochen, jedoch nicht geschrieben.
Im 9. Jahrhundert vor Christus übernahmen die Griechen das phönizische Alphabet und entwickelten es weiter. Aus den beiden griechischen Anfangsbuchstaben Alpha und Beta setzt sich das Wort Alphabet zusammen. Das griechische Alphabet besteht aus 24 Buchstaben, die sowohl groß als auch kleingeschrieben werden. In der Geometrie werden Winkel oft nach den kleingeschriebenen griechischen Buchstaben α wie Alpha = a, β wie Beta = b und γ wie Gamma = g benannt. γ entspricht dem Buchstaben c. Mit dem griechischen Buchstaben π wie Pi = p verbinden die Mathematiker die Kreiszahl 3,14159...

Von Griechenland aus gelangte das griechische Alphabet nach Norditalien. Dort lebten und herrschten die Etrusker. Sie ließen einige Buchstaben weg, weil es sie in ihrer Sprache nicht gab und fügten neue hinzu. So entstand das etruskische Alphabet, aus dem die Römer um 600 vor Christus das lateinische Alphabet entwickelten. Es ist das auf der Welt am meisten verbreitete Alphabet. Die Römer verfassten ihre Schriften zunächst nur in Großbuchstaben.
Die Großbuchstaben tragen den Namen Majuskeln. Später kamen die Minuskeln dazu, die Kleinbuchstaben.

Erst im Mittelalter entstanden die heutigen 26 Buchstaben, zu denen sich im Deutschen Alphabet die Umlaute ä, ö, ü und das kleine ß gesellen. Andere Länder haben - ihrer Sprache entsprechend - ebenfalls Buchstaben hinzugefügt wie z.B. der französische Buchstabe ç cedille.
 
Alphabete veränderten sich Laufe der Jahrtausende. Damit einher erfanden die Menschen auch immer wieder neue Schriften, Schreibgeräte und Materialien zum Beschriften. Im 2. Jahrhundert stellten die Chinesen bereits Papier her, das zunächst jedoch zu Taschentüchern und Toilettenpapier verarbeitet wurde. 1.000 Jahre später fand das Papier seinen Weg über die arabische Welt nach Europa. Während sich in Bagdad schon seit 795 eine Papiermühle drehte, wurde in Nürnberg 1390 die erste deutsche Papiermühle zur Papierherstellung errichtet.

Auch die Form der Bücher veränderte sich: Die Schrift- oder Buchrolle aus Papyrus oder Pergament wurde in der Antike nach und nach durch den Kodex ersetzt, einem Block aus gebundenen Holztafeln oder Papyrus- bzw. Pergamentblättern. Der Kodex stellt die Urform des heutigen Buches dar, das im Mittelalter erfunden wurde.

Trotz dieser großartigen Erneuerungen blieb das Verfassen von Schriften und Büchern eine mühselige und zeitaufwendige Handarbeit, die in Europa meistens in den Schreibstuben oder Bibliotheken der Klöster von Mönchen erledigt wurde.
Im Mittelalter war das Lesen und Schreiben überhaupt nur Sache der Mönche und einiger reicher Edelleute – und dies in lateinischer Sprache. Die erste große Änderung in der Schreibweise befahl Karl der Große, Frankenkönig und Kaiser des Heiligen römischen Reiches, der selbst nicht richtig lesen und schreiben konnte. Im 9. Jahrhundert wies er seine Schreiber an, dass nur Eigennamen großgeschrieben werden durften. Ein Befehl über den sich heute viele Schüler freuen würden.
Ein Beispiel für die Schreibweise des Mittelalters findest du in unserem Ritter-Spezial. Dort gibt es einen Auszug aus einem Liebesgedicht des Minnesängers Walther von der Vogelweide einmal in der Originalschreibweise und in der heutigen Übersetzung.

Das älteste mit beweglichen Metallbuchaben gedruckte Buch der Welt stammt aus dem Jahr 1377 und wurde in Korea gedruckt. In Europa verbesserte und vereinfachte Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert das Drucken mit Metallbuchstaben. Damit wurden Bücher für viele Menschen zugänglich, denn von nun an konnten Schriften in weitaus kürzerer Zeit und beliebig oft vervielfältigt werden. Dies galt vor allem für die Bibel, dem Buch der Bücher.

Heute erscheinen täglich weltweit bis zu 2.500 neue Bücher. Es ist für uns selbstverständlich, in der Schule lesen und schreiben zu lernen.

Aber angefangen hat das alles mit dem ABC …

Text: Nicole Potthoff

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